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einfahren ????

Verfasst: 18.02.2004 21:28
von Kara
Also, mein englisch ist nicht das beste und ich hab' den Artikel sehr flüchtig gelesen...aber wenn ich das richtig verstanden habe, plädiert der junge Mann dafür, Maschinen möglichst hochtourig einzufahren:

http://www.mototuneusa.com/break_in_secrets.htm

Das entspricht eigentlich allem, was ich bisher gehört habe. Wobei, eine gewisse Logik kann ich seiner Argumentation nicht absprechen.

Tschüß, kara

Verfasst: 18.02.2004 22:10
von RAINOSATOR
ei,ei ,ei

da hast du ein thema angeschnitten wo die meinungen ganz drastisch auseinander gehen


da bin ich aber mal gespannt was jetzt so alles kommt :roll:

zum link:kann mir das mal einer übersetzen?

das thema gibts schon tausend mal hier drin

Verfasst: 18.02.2004 23:04
von greekie
geh auf suchen und gib "einfahren" ein

Verfasst: 18.02.2004 23:11
von Michael
Der Chef der Yamaha-Vertretung, wo ich öfter mit meiner R6 bin, versteht wirklich was von Motoren. Yamaha bot ihm damals die Zusammenarbeit an, weil die von ihm getunten Motorräder schneller waren als die Werksgetunten. So stand es jedenfalls in einer Motorrad-Zeitschrift. In meine R6 wird gerade ein neuer Motor eingebaut. Er sagte mir, ich soll den Motor nicht mit konstanter Drehzahl einfahren. Darauf sagte ich, dass Landstraße ja am Besten ist zum Einfahren. Er stimmte zu.

Ich meine auch, dass in den Fahrerhandbüchern der Hersteller kein Müll stehen kann. In dem der SV und der R6 steht, dass man am Anfang mit niedrigerer aber wechselnder Drehzahl fahren soll. Ich halte mich daran. Im SV-Handbuch steht IMO sehr schön, wie es geht. Hab's aber gerade nicht zur Hand.

Meine Version: Ganz normal Landstraße fahren. Nur halt auf den ersten 1000 km etwas gemütlicher (oder sind es 1500? Steht im Handbuch). So habe ich es zweimal gemacht und werde es jetzt ein drittes Mal machen.

Rechtzeitig zur 1. Inspektion gehen (oder das Öl+Filter selber wechseln). Am Anfang ist nämlich ein Einfahröl drin, das absichtlich zu höherer Abnutzung führt, damit das Einfahren schneller erledigt ist.


P. S.: Hab' gerade angefangen die genannte URL zu lesen. Kann noch nix dazu sagen. Aber ich bin da seeehr skeptisch.

Verfasst: 19.02.2004 7:49
von batman
Kann SV Michel nur zustimmen,

habe mich schon mit mehreren Werkstattmeistern unterhalten und selbst auch schon 3 Motorräder eingefahren. Zusammengefasst wurde geraten die ersten ~500 km nur bis ca. 1/3 Gas, danach schon mal ein bisschen mehr, vielleicht bis zu 2/3. Darauf achten das man verschiedene Drehzahlbereiche abdeckt, Landstrasse ist ideal. Ausfahren der Maschine erst nach der Einfahrzeit (und dem ersten Ölwechsel).
Aber die Meinungen gehen zu dem Thema wohl tatsächlich auseinander...
:wink:

Verfasst: 19.02.2004 8:35
von vtrquark
diese einfahrgeschichte ist ein zweischneidiges schwert.
prinzipiell empfehlen die hersteller den motor auf die bekannte art einzufahren, damit sind die hersteller auf der sicheren seite. moderne motoren haben in ihren bauteilen so extrem niedrige fertigungstoleranzen, das ein einfahren eigentlich nicht mehr nötig ist.
ich hab von einem mechaniker, der in japan bei honda zur schulung war, gehört, das die motoren nach dem zusammenbau mit öl und wasser befüllt, ca. 15 minuten unter vollast betrieben werden. dieser test ist nötig, um die dichtheit zu prüfen und die belastungsfähigkeit zu testen. die motoren, die bei diesem test zu bruch gehen, wären auch bei der regulären einfahrprozedur zu bruch gegangen.

kaum zu glauben...

P.S. rolls-royce machts ähnlich, bei denen werden alle motoren nach dem zusammenbau eine stunde unter vollast betrieben, jeder zwölfte motor läuft einen tag unter vollast und wird nach dem test komplett zerlegt und vermessen

Verfasst: 19.02.2004 21:25
von Michael
So, hab' mir den Text mal reingepfiffen. 8)

Inhaltsangabe

Die zentralen Stellen in dem Text sind aus meiner Sicht:
Mototune hat geschrieben: (1) Nowadays, the piston ring seal is really what the break in process is all about.

(2) There's a very small window of opportunity to get the rings to seal really well ... the first 20 miles !!

(3) Warm the engine up completely

(4) The main thing is to load the engine by opening the throttle hard in 2nd, 3rd and 4th gear.

(5) The best method is to alternate between short bursts of hard acceleration and deceleration.

(6) For the first 200 miles or so, get out into the country where you can vary the speed more and run it through the gears !

(7) Remember that both hard acceleration and hard engine braking (deceleration) are equally important during the break in process.
Sie werden ergänzt durch:
Q: What is the most common cause of engine problems ???
A: Failure to:
Warm the engine up completely before running it hard !!!

Q: What is the second most common cause of engine problems ???
A: An easy break in !!!

Q: What's the third most common cause of engine problems ???
A: Not changing the oil soon enough after the engine is first run !!
Der Autor schreibt, dass es beim Einfahren heutiger Motoren im Wesenlichen darum geht, die Kolbenringe abzudichten (1). Das gehe nur, wenn der Verbrennungsdruck hoch genug ist. Der Kolbenring werde nämlich nicht durch irgendeinen Federdruck sondern durch den Verbrennungsdruck selber gegen den Zylinder gedrückt. Wenn der Druck zu gering ist, werde der Kolbenring nicht vollständig oder ungleichmäßig gegen den Zylinder gedrückt. Als Folge dichte der Kolbenring nach dem Einfahren nicht richtig ab.

Daher solle man den Motor wie folgt einfahren:
- Motor erst gut aufwärmen (3)
- Kurz aber stark beschleunigen mit weit geöffnetem Gas. Nach dem Beschleunigen das Gas ganz wegnehmen, so dass der Motor bremst. (4, 5, 7)

Entscheidend seien schon die ersten 20 Meilen. Andererseits schreibt der Autor, man solle auf den ersten 200 Meilen auf der Landstraße die Geschwindigkeit variieren und durch die Gänge beschleunigen. (2, 6)

Schon nach 20 Meilen solle man den ersten Ölwechsel machen, weil durch das Einfahren viel Metall im Öl sei.


Bewertung

Krass an dem Text sind IMHO eigentlich nur folgende Ratschläge:
- Man soll schon während des Einfahrens stark beschleunigen. Aber immer nur kurz, in Schüben. (Nur den ersten Satz finde ich krass. Der zweite ist völlig okay.)
- Das meiste spielt sich schon auf den ersten 20 Meilen ab. Die seien entscheidend dafür, ob die Kolbenringe später gut abdichten oder nicht.
- Ölwechsel schon nach 20 Meilen

Ich würde nicht schon auf den ersten paar 100 km bis zum roten Bereich beschleunigen. Auch ist es schlecht, schon bei niedrigen Drehzahlen voll das Gas aufzudrehen. Das schrieb unser TÜV-Mensch Olanse mal. Ich halte (4, 5) für etwas übertrieben. In gemäßigter Form ist es aber richtig:
- Auch beim Einfahren manchmal kurz kräftig beschleunigen. Aber nicht bis in die Nähe vom roten Bereich und auch nicht gerade mit Vollgas.
- Wie empfohlen gleich nach dem Beschleunigen ordentlich Motorbremse halte ich für problemlos.

Dass sich fast alles auf den ersten 20 Meilen abspielt, kann ich auch nicht so ganz glauben. Zumal sich der Autor da selber etwas widerspricht (2, 6).

Ölwechsel nach 20 Meilen?? Aber spätestens nach 1000 km - wie von Suzuki empfohlen - auf jeden Fall. Mit dem Einfahröl ist der Verschleiss nämlich höher als mit normalem Öl.


Vergleich

Mit dem SV-Fahrerhandbuch (S. 32):
- Auch da steht, dass der Motor beim Einfahren belastet werden soll. Aber da steht auch, dass er nicht überlastet werden soll. Präzisiert wird das insbesondere durch die Angaben der maximalen Drehzahlen.
- Auch da steht, dass die Drehzahl verändert werden soll. Mit der gleichen Begründung wie bei Mototune: Unterschiedlicher Druck.

Mit dem R6-Fahrerhandbuch (S. 5-5):
- Hier wird ausdrücklich von längerem Vollgasfahren abgeraten. Aber nicht von kurzzeitig viel Gas. Der Tenor hinsichtlich der Drehzahl ist aber der gleiche wie bei Suzuki.


Fazit

Bloß nicht mit konstanter Drehzahl auf der Autobahn einfahren! Das schreiben alle drei.
Immer erst den Motor warmfahren, bevor man ihn belastet!
Öfter mal schon beim Einfahren kurz kräftiger beschleunigen. Gleich danach Gas wegnehmen (Motorbremse).
Bis zum roten Bereich würde ich beim Einfahren aber nicht fahren. Wenn man die von Suzuki angegebenen Einfahrdrehzahlen kurz um 2000 U überschreitet, dann halte ich das aber für völlig unkritisch (sofern der Motor warm ist).

Nicht bekloppt machen mit dem Einfahren. IMO ist es ganz einfach: Zivilisiert Landstraße fahren. Wenn der Motor kalt ist, ganz gemütlich fahren. Wenn er warm ist, darf man auch schon beim Einfahren bisschen Spaß mit dem Gasgriff haben. Aber zivilisiert.

Re: einfahren ????

Verfasst: 19.02.2004 21:53
von Michael
Kara hat geschrieben:Also, mein englisch ist nicht das beste und ich hab' den Artikel sehr flüchtig gelesen...aber wenn ich das richtig verstanden habe, plädiert der junge Mann dafür, Maschinen möglichst hochtourig einzufahren:
So würde ich das nicht zusammenfassen. Dass hohe Drehzahlen beim Einfahren gut sind, finde ich da nirgendwo. Aber der hohe Druck im Zylinder beim kurzzeitigen Gasaufdrehen ist angeblich der Bringer. Dadurch werden die Kolbenringe angeblich schön dicht.

Habe auch eine URL zum Einfahren gefunden. IMHO ist es ganz gut, was da steht:

http://www.audi.com/de/de/kundenservice ... fahren.jsp

Verfasst: 19.02.2004 22:12
von Ricci
(4) The main thing is to load the engine by opening the throttle hard in 2nd, 3rd and 4th gear.

(5) The best method is to alternate between short bursts of hard acceleration and deceleration.
Mit Harter Beschleunugung meint er garantiert nicht den Roten Bereich oder Hohe Drehzahlen! Er meint wirklich Hohe Beschleunigung! Das bedeutet hohes Motormoment. Sowohl Positives Moment ( Zugbetrieb) als auch negatives moment (Schubbetrieb). Im Wesentlichen geht es dabei um die Motorlast und nicht um Drehzahl.

Verfasst: 20.02.2004 8:55
von vtrquark
mich würde mal interessieren, wie GP oder SBK mopeds eingefahren werden...

ob die wohl auch die ersten 500km nicht über 5000 u/min gedreht werden dürfen ??
obwohl, wenn man die laufleistung von ca. 2000km anguggt könnte man meinen, die werden nicht richtig eingefahren... :lol:

Verfasst: 20.02.2004 9:11
von Issy
Ich habe dieses Thema schon öfters bei diversen Schraubern hinterfragt (sowohl Moppet als auch Auto). Alle haben eines gemeinsam gahabt. Gas geben ja aber nicht über den gesamten Drehzahlbereich. Wenn du mal kurzzeitig drüber bist ist das OK. ich habe mich an diese faustregel gehalten und bis jetzt nie Probleme gehabt.

@vtrquark

Vas das mit der Vollast bei neuen Motoren angeht.
Es gab ma einen sehr nett Breicht im TV über die Fertigung bei Porsche.
Dort wird das auch gemacht. Dort wird sogar ein Leistungsdiagramm erstellt. Das ganze soll der Qualitätskontrolle dienen (Verhalten bei extremer Belastung und Hitze).