Fest- vs. schwimmend gelagerte Bremssättel


Wie mach ich und wo bekomme ich was? Was ist gut und günstig?
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bigrick
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Re: Fest- vs. schwimmend gelagerte Bremssättel

#16

Beitrag von bigrick » 08.09.2017 21:05

Üblicherweise werden bei großen Bremsanlagen am Auto Feststattel verbaut da diese aus Alu gebaut werden und leichter sind. Das macht mehrere Kilo Unterschied an der Achse und den ungefederten Massen aus und ist durchaus spürbar (gut, wenn man auf ne riesen Bremse umbaut frisst die Scheibendimension den Vorteil wieder auf). Beim Motorrad weniger interessant da dort die Sättel soweit ich weiß immer aus Alu sind. Genannt wurde schon die Biegung. In wie weit dabei sich Schwimm und Festsattel und zweiteilige Festsattel gegenüber "Monoblock" Anlagen (nicht gepaltene und verschraubte Sättel - z.b. Yamaha Bremsen mit zugeschraubten Bremskolben oder Brembos) schlagen wage ich nicht zu beurteilen. Zumindest einen Unterschied zwischen Schwimm und Festsattel könnte ich mir an einem Fahrzeug ohne Bremskraftverstärker vorstellen, weniger in der Bremswirkung als in der Dosierbarkeit.
Zurück zum Festsattel. 6 Kolben Anlagen und größer tragen auch größere und/oder mehr Beläge - dadurch kann natürlich mehr Kraft auf die Scheibe walten und ebenso mehr Wärme aufgenommen und abgeführt werden, daher weniger nachlassen der Bremswirkung im Betrieb (Fading).

Nachteil des Schwimmsattels -> nicht die erste Bremse am Motorrad die mir unterkommt die "fest" ist. Sattel hängt im Gleitstift des Bremssattelträgers fest. Kommt durch nachlässig Wartung ist aber auch schon passiert weil der Hersteller bei der Erstmontage gespart hat.
Nachteil des Feststattels -> Überholung ist teuer da viele Dichtungen gebraucht werden. Festsattel ist generell aufweniger gebaut und daher wesentlich teurer, auch wenn man die am Motorrad sehr oft sieht.

VG

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Re: Fest- vs. schwimmend gelagerte Bremssättel

#17

Beitrag von Trobiker64 » 09.09.2017 20:55

Ein weiterer Nachteil des Festsattels ist die höhere thermische Belastung der Bremsflüssigkeit, was sich auf die Wechselintervalle , vor allem im PKW-Bereich, auswirken kann. Früher wurden bei Festsattelanlagen einjährige Wechselintervalle und bei Schwimmsätteln zweijährige Intervalle vorgesehen.

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Re: Fest- vs. schwimmend gelagerte Bremssättel

#18

Beitrag von Dieter » 17.09.2017 8:55

Ich werfe hier noch die radial verschraubten Sättel die jetzt überall verbaut werden in die Diskussion. Da verstehe ich den technischen Vorteil auch nicht

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jubelroemer
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Re: Fest- vs. schwimmend gelagerte Bremssättel

#19

Beitrag von jubelroemer » 17.09.2017 9:27

Kommt ursprünglich aus dem Rennsport und so konnte man mit unterschiedlichen Distanzen sehr einfach für Regen oder Trockenheit unterschiedliche Bremsscheibendurchmesser realisieren.
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Re: Fest- vs. schwimmend gelagerte Bremssättel

#20

Beitrag von Knubbler » 17.09.2017 15:15

Wenn alle Teile gut gefertigt sind (wovon ich bei den Japanern einfach mal ausgehe), dann stehen die radialen Sättel genau in der Flucht der Bremsscheiben. Also ziemlich kurze Einfahrzeit, optimaler Druckpunkt.
Wie JR schon sagte ist es einfach andere Durchmesser zu adaptieren und in meinen Augen ist die Anschraubung ohne Spiel der größte Vorteil. Unten sind nämlich Passbuchsen und damit kann man den Sattel demontieren und er steht bei der Montage dann wieder exakt an der selben Stelle wie zuvor. Bei herkömmlichen Sätteln hat man ja immer das Spiel im Schraubenloch.
Fällt sonst jemand noch was ein?

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Re: Fest- vs. schwimmend gelagerte Bremssättel

#21

Beitrag von guzzistoni » 17.09.2017 15:20

..die Gehäuse sind noch steifer.

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bigrick
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Re: Fest- vs. schwimmend gelagerte Bremssättel

#22

Beitrag von bigrick » 17.09.2017 17:23

guzzistoni hat geschrieben:..die Gehäuse sind noch steifer.
Auch wieder nur weil die Sättel aus einem Stück gefertig werden und nicht zweiteilig verschraubt werden. Das gab es auch vorher auch schon bei "hochwertigen" Anlagen.
Knubbler hat geschrieben:dann stehen die radialen Sättel genau in der Flucht der Bremsscheiben. Also ziemlich kurze Einfahrzeit, optimaler Druckpunkt.
Wie JR schon sagte ist es einfach andere Durchmesser zu adaptieren und in meinen Augen ist die Anschraubung ohne Spiel der größte Vorteil.
Was nicht mehr wichtig ist, sobald man die Achse demontiert. Ob ich nun ein zehntel Spiel an der Achse ausgleichen muss (axial) oder an der Sattelverschraubung (radial) oder durch das Spiel der Bremsbeläge im Sattel (radial) ist meiner Meinung nach Wurst. Eleganter gelöst ist es natürlich durch die Passhülsen alle male.


Vorteil für die Hersteller: man muss nurnoch einen Gabelfuß und einen Bremssattel fertigen. Distanzhülsen regeln den Rest. So kann man Bremsscheiben, Felgen und Achsen verbauen wie man lustig ist. Wahrscheinlich ein nicht unerheblicher Kostenvorteil.

VG

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Re: Fest- vs. schwimmend gelagerte Bremssättel

#23

Beitrag von Knubbler » 17.09.2017 22:32

Ich würde schon behaupten, dass die Position auch nach Demontage der Achse gleich bleibt. Diese ist ja auf einer Seite geführt und mit Gewinde fest, auf der anderen Seite geklemmt.
Aber auch wenn es ein Zehntel wäre, das gibt alleine schon das Spiel der Bremsbeläge in den Sätteln her. Flucht und Winkel bleiben ja unverändert und das ist das Tolle dran. Bei herkömmlichen Sätteln hat man nach Wiedermontage wahrscheinlich eine gute Flucht, aber der Winkel des Sattel wird immer anders sein durch das Spiel in den Befestigungslöchern.

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Re: Fest- vs. schwimmend gelagerte Bremssättel

#24

Beitrag von hannes-neo » 17.09.2017 22:51

Knubbler hat geschrieben:Ich würde schon behaupten, dass die Position auch nach Demontage der Achse gleich bleibt. Diese ist ja auf einer Seite geführt und mit Gewinde fest, auf der anderen Seite geklemmt.
Aber auch wenn es ein Zehntel wäre, das gibt alleine schon das Spiel der Bremsbeläge in den Sätteln her. Flucht und Winkel bleiben ja unverändert und das ist das Tolle dran. Bei herkömmlichen Sätteln hat man nach Wiedermontage wahrscheinlich eine gute Flucht, aber der Winkel des Sattel wird immer anders sein durch das Spiel in den Befestigungslöchern.

Ich wage zu bezweifeln, dass man da messbare Verluste hat. Die Kawasaki Nissinsättel, die ich am Renner habe, haben nichtmal Passhülsen, dafür aber vier Beläge je Sattel.

Das Spiel könnte man eliminieren, indem man vor dem entgültigen Festziehen der Schrauben einmal in die Bremse langt.

Bremst aber auch ohne wie Sau :mrgreen: :) Angel
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Re: Fest- vs. schwimmend gelagerte Bremssättel

#25

Beitrag von Knubbler » 17.09.2017 23:20

Achso das hatte ich vergessen zu betonen. Ich beziehe mich darauf, dass die Beläge dann anders anliegen und sich erst neu einschleifen müssen, was etwas dauert und bis dahin schlechter bremst. Das ist was ich auf die Frage der Vorteile antworten würde.
Selbst mit den billigen Sätteln der SV könnte ich mich überschlagen, wenn ich denn nur wollte :mrgreen:
Eine Bremse kann übrigens nur so viel Kraft übertragen wie es denn der Reifen zulässt. Sprich mit einem Touren Reifen endet der beherzte Griff am Bremshebel der SV nicht in einem kontrollierbaren Stoppie, sondern in einem nicht zu kontrollierenden blockierenden Vorderrad -> klappt ein -> wenige Meter danach macht die Nase den Geruchstest am Asphalt
Abhilfe kann da ein ABS schaffen, haben die meisten hier aber nicht. Und alle die behaupten in einer Schrecksekunde noch dosiert Bremsen zu können, die Unfallstatistik/-Forschung und vorallem die denen es passiert ist, behaupten da etwas ganz anderes :wink:

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