Kein Eis, dafür Erbsen


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Jockel
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Kein Eis, dafür Erbsen

#1

Beitrag von Jockel » 23.07.2026 20:46

Kein Eis, dafür Erbsen

Mahlzeit!

Dieses Mal sollte es nach Italien gehen, in das Gebiet zwischen Comer und Gardasee.
Mit von der Partie:
Attila, Gladius 650
Mein Bruder Fabian, DR 350
Ich, Svartpilen 401

Donnerstag:
Geplant war die Anreise grob gesagt vom Treffpunkt weg:
Zirler Berg – Kühtaijoch – Pillerhöhe – Reschenpass – Stilfser Joch – Torri di Fraele – dann wollten wir weitersehen.

Um 6 fahr ich daheim los, aufgesattelt hatte ich schon am Vortag.
2 dünne Pullis und ein Windstopper unter der neuen Endurojacke, dafür kein Innenfutter, das hatte ich im TR.
6.40 bin ich beim Attila, Kaffee, dann gegen 7 los.
Plan wäre gewesen, von Wasserburg aus über Bad Aibling Richtung Tölz zu fahren, Treffpunkt war ausgemacht in Bichl, das liegt an der geplanten Strecke und ist für Fabian von München aus gut zu erreichen.

Über Marienberg ist die Strecke gesperrt, dann also weiter.
Googlemaps will uns nach Ro reinschicken, oder auf die neu gebaute B15a, was sollen wir da?
In und rund um Bad Aibling Baustellen, Umleitungen, gesperrte Strecken (auch mit dem Mopped kein Durchkommen, in Bad Aibling hätten uns nur ein paar Meter über den Gehsteig gefehlt).
Irgendwann reichts, wir fahren auf die Autobahn, GAAS, Irschnberg runter und weiter Richtung Tölz.
Dort wie immer Stau.
Vor Tölz, in Waakirchen, die erste Vollbremsung des Tages, ein Depp kommt von mir aus rechts gesehen aus einer Straße raus und schaut nicht.
Zwischendurch noch tanken, weil das Tankinhaltsschätzinstrument nur noch „---“ anzeigt.
Vollgetankt, es hätte noch recht lange gereicht…

9.20 treffen wir am Treffpunkt ein, Fabian wartet schon, abgemacht wäre 9 Uhr gewesen.
Egal, kurze Streckenbesprechung, weiter.
Ich ziehe einen Pulli aus.
B11, Kesselberg (nur von 15 – 22 Uhr für Motorräder gesperrt), Mittenwald, Zirler Berg runter.
Bis zur Einmündung der B2 von Garmisch wenig Verkehr, dann eher viel.
Pinkelpause, dann runter, es riecht wie Immer nach heißer Bremse.

Der Sägezahn am VR singt sein Lied.
Vor uns ein eher langsamer LKW, dahinter ein Sprinter der es etwas eiliger hat.
Der Sprinter überholt vor der Linkskehre, was ihm gleich die Aufmerksamkeit der dort stehenden Rennleitung einbringt, er wird rausgewunken.

Über den Inn, unter der Autobahn durch, ab aufs Kühtai.
Attila und Fabian fahren mittlerweile vor mir, von hinten kommt eine große KTM.
Der Fahrer schaut sich die Sache kurz an und überholt.
Mittlerweile ist die Straße auch frei, also hinterher, GAAAS!

Der Fahrer ist vom Kennzeichen her ein Eingeborener, der weiß entweder wo die Kieberer stehen oder er hat eine Zehnerkarte, er lässts richtig laufen, wir hinterher.
Wegen eines Autos das ich nicht sofort mit überholen kann hänge ich etwas hinterher und komme so zur zweiten Vollbremsung des Tages.
Am Ortseingang Gries überholt ein entgegenkommender Depp einen Radfahrer, natürlich auf meiner Fahrspur, Vollbremsung.
Weiter, macht Spaß, ich lass es laufen.
Ober warten die beiden, Kaffee, gschpritzter Almdudler.

Es ist heiß, also zweiten Pulli ausgezogen, Windstopper ausgezogen.
Der TR der Pille ist verdammt klein verglichen mit dem der XT / SV, schwierig alles drin unterzubringen.

Über den Ochsengarten runter, dabei einige Kühe auf der Fahrbahn.

Bundesstraße bis Imst, dann weiter Richtung Pitztal.
Im Kreisverkehr Umleitung, erste anstatt zweiter Ausfahrt, Attila übersieht es, Fabian auch.
Ich nicht, zum einen kennt google diese Umleitung, zum anderen lese ich Schilder, ich fahre raus und schmore in der Sonne bis die beiden auftauchen.

Möglicherweise haben die beiden nun eingesehen, daß es manchmal praktisch ist, wenn der mit Navi / Karte / sonstwas vorne fährt.
Die Straße ist frei, also GAAAS!
In der Rechtskehre bin ich mit der Außenseite des Stiefels am Boden, obwohl ich nur die Fußballen auf den Rasten habe.
Oben dann gleich Richtung Fließ abgebogen, dann weiter auf der B180 Richtung Nauders.

Weiter durch Pfunds, danach Schilder, Baustelle, Radfahrer nicht erlaubt, einspurige Straßenführung.
Ich freue mich gerade darüber, daß wenig Radfahrer zu erwarten sind, dann macht die Straße eine leichte Rechts-, gefolgt von einer leichten Linkskurve, dahinter verbirgt sich das Stauende.
Fabian fährt vorne, dann Attila, dann ich.
Fabian kommt unversehrt zum Stehen, Attila schmiert bei der Vollbremsung in noch leichter Schräglage das VR weg, ich sehe ihn gerade noch rutschen, den eigentlichen Sturz sehe ich nicht.

Da liegt er nun.

Aber zum Glück nicht lange, er steht auf, kann alles bewegen, der Kopf sitzt auch noch…
Mopped aufgehoben, danke auch an den Dosenfahrer hinter uns, der sofort aus dem Auto raus ist und geholfen hat.

Bestandsaufnahme:
Lenker krumm, Hebel krumm, Tacho / Scheinwerfer defekt, Blinke hin, Verkleidung verkratzt.
Bremse geht, also erstmal wieder ins Tal rollen.
Attila vorne, Fabian und ich zur Absicherung hinterher.
Mittlerweile ist auch Richtung Tal Verkehr, die Baustellenampel hat umgeschaltet.
Am Ortseingang links ein Supermarkt mit Café / Imbiss.

Moppeds in den Schatten gestellt, dabei entdeckt, daß der linke Gabelholm abgeknickt ist, das VR steht auch etwas schief…es geht so sicher nicht weiter.
Wir setzen uns in den Imbiss, Kaffee, Wasser, etwas zu essen.

Attila fängt an zu telephonieren, sein Nachbar ist noch in der Arbeit, könnte ihn aber prinzipiell holen, ein anderer Freund hat Zeit und einen Bus wo das Mopped reinpasst, also kommt der (der heißt schon Motorradrückholdienst bei uns, der darf das öfter machen…).

Bestandsaufnahme Attila:
Die Schutzkleidung hat getan, was sie sollte, Lederkombi, hat einige Abschürfungen.
Attila hat am Unterarm eine Art Abschürfung, wahrscheinlich ist da die Kombi drübergerutscht.
Außerdem tut der linke Knöchel weh.
Im Supermarkt gibt es natürlich keine Eiswürfel, kommen morgen…, also gehe ich in praller Sonne die 100 m zum nächsten Supermarkt, der hat auch kein Eis, kommt morgen…
Ich bringe ihm dafür ein Säckchen Tiefkühlerbsen mit, die bindet er mit einem Spanngurt auf den Knöchel; Mittlerweile hat er sich umgezogen.

Attila geht’s soweit gut, er ist normal im Kopf, er sitzt unter Leuten, der Abholer kommt in 3 Stunden…er schickt uns weiter.

Also rauf aufs Mopped.

Reschenpass, an der Baustelle haben wir Glück und stehen nicht allzu lange, dann rauf.
Natürlich Radfahrer auf dem Pass, war das nicht verboten?

Nauders, Reschen mit der Kirche im See, stehen bleiben wir nicht, zuviel Verkehr, die Parkplätze müsste man bezahlen.

Spondinig, Prat, Trafoi…rel. Viel Verkehr, vorwärts kommt man eher schlecht, vor dem Pass dünnt es aber etwas aus.

Pass rauf, endlich wieder GAAAS!

48 enge Kehren!

Fabian voraus, gegen den ist auf der DR da rauf fast kein Kraut gewachsen.
Ich kann eine Zeitlang dranbleiben, verliere dann aber beim Überholen den Anschluß.
Ich hab 1,5mal soviel Leistung und kann beim Rausbeschleunigen gerade so dranbleiben, vielleicht habe ich aber auch 1,5mal soviel Gewicht (Gesamtsystem Mopped, Schutzkleidung, Fahrer).

Egal, GAAAS!

Wir überholen da rauf das ein oder andere auf 2 oder 4 Rädern oder auch 2 Hufen), das geht auch mit 30 oder 44 PS recht gut und werden von niemandem überholt.

Zwischendurch stand ein Photograph, leider nicht die lustigen Ungarn, die man vielleicht von Instagramm kennt (kanyarfoto).
Schöne Bilder haben sie trotzdem gemacht, wir kaufen welche.

Wir hatten Glück, auf dem Pass war wenig los, auf den Videos sieht es immer deutlich voller aus.

Kurze Pause oben, dann weiter.
Die Strecke war abgesteckt bis zu den Torri di Fraele, leider sind wir die nicht gefahren, weil Fabian nur noch mit Benzindampf gefahren ist, viel war nicht mehr im Tank.
Also über den Passo di Foscagno und den Passo d’Eira nach Livigno, die erste Tankstelle haben wir dann genommen, der Liter Sprit kostet knapp 1,50.
Mittlerweile ist es 17.30, Lust zu den Torri zurück zu fahren haben wir auch nicht, also kurze Beratung, dann Quartier machen per Schlaufon.

Wir beschließen in Livigno zu bleiben, in der Schweiz wollen wir nicht übernachten, zu teuer.
Hotel gesucht und gefunden, hingefahren.
In der Zufahrt zu der freien Ecke am Parkplatz steht ein Auto mit Luzerner Kennzeichen, die Fahrerin fragt kurz, welche Sprache wir sprechen, dann erklärt sie, daß sie gleich wegfahren würde und wir dann hinten „parkieren“ könnten.
*Grins*

Eingecheckt, mein Italienisch funktioniert noch soweit.
Die Dame bietet uns an, im Nachbarhotel zu frühstücken, dort gäbe es internationales Frühstück (ohne Aufpreis), hier im Haus „nur“ italienisch, also Café und Süßkram.
Da wir in Italien sind wähle ich das italienische, was mir ein Lächeln einbringt.

Abgesattelt.
Wir haben natürlich das Motorradfahrerzimmer bekommen, also das kleinste, das im 2. Stock liegt und nur über eine enge Treppe erreichbar ist.
Egal, wir haben Platz, einen Balkon gibt es auch.

Hübsch gemacht.
Dann haben wir uns auf den Weg zu der vom Haus empfohlenen Pizzeria gemacht, lt. Googlemaps 20 min Fußmarsch.
Um zwischendurch nicht zu verdursten sind wir zwischendurch in eine Bar eingekehrt und haben dort den gröbsten Durst gelöscht.

Weiter zur Pizzeria, Pizza war brauchbar, dazu ein einheimisches Craftbier, sehr lecker und pro Liter auch noch billiger als die Alternativen (u.a. Heineken; Warum das als Bier verkauft wird weiß ich nicht).

Der Weg zurück ins Hotel ging bergauf, das macht Durst und so sind wir wieder in der Bar eingekehrt.
Die Bar gehört zu einem Hotel, dort waren auch einige Motorräder aus der Türkei, weiter Weg.

Auf der Terrasse sitzend beobachten wir die Dorfjugend, die mit allem wheelt, was zwei Räder hat, Fahrräder, Trialer, Enduros, Roller, Straßenmoppeds….fett Respekt!

Zurück bei unserem Hotel kommen wir nicht rein.
Die Rezeption ist unbesetzt, die Türe zugesperrt, der Zimmerschlüssel passt nicht.
Was nun?
Wir könnten im Hotel nebenan fragen, die beiden gehören mglw. zusammen, zumindest hätten wir nebenan Frühstück bekommen und auch verbilligt zu Abend essen können.
Neben dem Eingang gibt es noch eine Tür, wir klingeln…nichts passiert.
Ausprobiert, Sesam öffne Dich, die Tür geht auf, wir stehen in der ehem. Küche oder einem Wirtschaftsraum.
Im Licht der Taschenlampe vom Schlaufon findet sich auch eine Tür ins Innere des Hotels, ab aufs Zimmer.
Gegen 10 fallen wir ins Bett.

459 km
Tagesempfehlung: Stilfser Joch
Tagessoll erfüllt, geplant war bis Torri di Fraele.
Tageserkenntnis: Für die ganz engen Kehren täte eine kürzere Übersetzung gut, dann müsste man nicht so oft in den ersten runterschalten.

Tag 2:
In der Nacht gewittert es, wie es sich anhört stellenweise heftig.
6.15, der Wecker klingelt, duschen, hübsch machen, Frühstück um 7.
Italienisches Frühstück, guter Café, Süßkram.
Morgensch…

Was ziehe ich an?
Draußen ist es naß, es regnet zwar nicht, ist aber frisch.
Ich entscheide mich für die beiden Pullis und den Windstopper.

Kurz nach 8 geht’s los, Richtung Forcola di Livigno.
Dort eine Baustellenampel, wir überholen eine Dose.

Weiter, Zollstation unbesetzt, Grenze unbesetzt, Schweiz.
Berninapass rauf, Photostop.

Die Straßen sind naß, trocknen aber aktuell.
Die Straße ist gut, es ginge deutlich mehr als die erlaubten 80, wir riskieren es aber nicht, zu teuer, wenn man erwischt wird.

Eigentlich völlig irrational, denn in Italien kostet zu schnell fahren mittlerweile auch schei. viel Geld.
Zu Glück hab ich noch nie ausprobiert wieviel.

Strecke superschön, eine Baustelle zwischendrin, wenig Verkehr.

Weiter Albulapass, auch tolle Strecke, Landschaft grandios, Straße gut, wenig Verkehr.
Runter zu ein Tesla vor uns mit der Aufschrift „go fast“
Täte er das nur mal!

Er zockelt da runter, bremst vor jeder Kurve / Kehre stark ab…muß das sein?
Irgendwo wird die Straße breiter, wir überholen.
Etwas weiter unten ein Tscheche, der weiß, wie man sich zu benehmen hat, er macht Platz, verringert seine Geschwindigkeit und blinkt rechts, so können wir problemlos passieren (ohne das TL zu überschreiten).
Untenraus ist Buckelpiste angesagt, das sollte man in der Schweiz durchaus ernst nehmen, hat ganz schön geruckelt.

Julierpass.
Leider sind LKWs erlaubt, Busse sowieso.
Eingangs nervt noch ein Skoda Fabia, der ist schnell geschluckt, dann weiter rauf viel Verkehr, nicht immer gut zu überholen.

Vor uns in der Kolonne ein Sprinter (?), der überholt, daß mir schlecht wird.

Überhaupt, der Schweizer kennt keine Rücksicht im Straßenverkehr.
Beim Familienurlaub auf der Schweizer Autobahn ist mir aufgefallen, daß es so gut wie keinen Abstand zum Vordermann gibt, jetzt auf der Tour sind viele Schweizer durch hirnlose Überholmanöver aufgefallen, Abstand zu Radfahrern brauchts auch keinen.

Eindruck vom Pass bisher gemischt, stellenweise eine Autobahn, auf der es zugeht wie am Stachus.

Passhöhe, 10.45, Brotzeit.
2 Sandwiches, 2 Kaffee und 2 Softdrinks: 33 Stutz.

Klo kostet dafür nix, ich hab vor 30 Jahren auf dem Flüela schon 1 Mark bzw. 1 SFR gezahlt.
Mittlerweile ist es ganz schön heiß geworden, also einen Pulli und den Windbreaker ausgezogen.
Pass runter, wie üblich tolle Strecke, guter Asphalt, man darf immer noch nur 80 fahren….

Silvaplana, am See entlang, weiter zum Malojapass, auch dort, tolle Strecke, guter Asphalt, schön zu fahren.
Wie schon beim letzten Mal da runter, es fehlt die Stelle zum Stehenbleiben für Photos…

Kurz vor der Grenze wird’s richtig warm.
Chavenna, getankt, Pulli ausgezogen, Belüftungsöffnungen an der Jacke auf.
Fabian füllt Öl nach, ¼ L, ich ca. 100 mL.

Weiter zum Comer See, ich hatte dort eine kleine Strecke abgesteckt.
Da am heutigen Tage immer mal wieder die Navigation ausgefallen war sind wir in der brütenden Hitze etwas hirnlos rund um Chiavenna gegurkt, haben dann aber die richtige Straße gefunden.

Oder google, ich habs wieder zum Laufen bekommen.

Wir fahren die SS36 nach Süden.
Der Sägezahn singt sein Lied, er ist mittlerweile auch beim Bremsen vorne deutlich zu spüren.
Von der möglicherweise schönen Landschaft und vom See sieht man immer wieder nur Ausschnitte, die Straße verläuft fast komplett unterirdisch.

Das Schlaufon ist schon längst ausgestiegen, kein GPS Signal und mir kommts auch langsam unheimlich vor….ich fahre die nächste Abfahrt ab, ich will nicht bis Mailand durchfahren.
Es geht in Serpentinen zum See runter, sch…viel Verkehr, es ist heiß!
Unten eine Bar gesucht, an Bahnhof gefunden, Moppeds abgestellt, Jacke aus, Café doppio und Wasser.

Wir sind in Bellano rausgekommen, eigentlich genau da, wo ich hinwollte. :-)

Vom Bahnhof aus etwas Richtung Norden, dann rechts die SP66 rauf, es geht in vielen Kehren erst durch die Ortschaft, dann durch den Wald bis Casargo, bisher keine 5 m geradeaus gefahren.
Zwischendurch hätte man traumhafte Ausblicke auf den See, wenn man denn die Augen von der Straße nehmen könnte…

Die Straße ist knapp einspurig, so daß man wirklich auf Gegenverkehr aufpassen muß, den sieht man im Zweifelsfall erst recht spät.

In Casargo wechseln wir auf die SP67 Richtung Teglio, wir folgen der SP67, jetzt sind es keine 3 m geradeaus, die Straße ist immer noch so eng, schlecht ist sie sowieso.

Erst geht es bergauf, dann wieder runter.

Ich lasse Fabian vorausfahren, das hier ist DR Territorium.
Zwischendurch, bei einem kleinen Stop, machen wir die weitere Route aus, ich bitte ihn am Ortseingang Dervio zu halten.

Irgendwo, wahrscheinlich bei Introzzo fährt vor mir ein Fiat Scudo Pickup raus, na toll.
Der kann aber fahren, kennt die Strecke und hupt vor jeder unübersichtlichen Stelle, so wie das früher in Italien gang und gäbe war.
Er lässt es laufen, ich auch.

In einer Rechtskehre kommt uns dann tatsächlich ein Baustellen LKW entgegen, die beiden stehen sich gegenüber, keiner kommt so recht ohne Rangieren weiter.
Ich hab brav Abstand gehalten und überhole erst den Fiat im Schritttempo, dann fahre ich zwischen den beiden Fronten durch.

Weiter, mittlerweile kann man auch den dritten Gang benutzen.
Am Ortseingang (!) ist natürlich nichts vom Fabian zu sehen, wir könnten hier tatsächlich schon wieder Richtung Norden auf die SS36 fahren.
Also lass ich mich in den Ort reinrollen, ich biege rechts ab Richtung Dorio und fahre See entlang, da steht er plötzlich am Straßenrand.
Er hat den Ortseingang nicht erkannt. Iss auch schwierig. Erst keine Häuser, dann Häuser.

Ist es echt so schwierig, bei unklarer Situation / Strecke stehenzubleiben und auf den zu warten, der die Karte / das Navi hat?
Wird der Zipfel davon kürzer?
Bin genervt.

Weiter an See Richtung Corte, dort dann auf die SS36.
So schön ist die Schnellstraße zwar nicht, aber es ist mittlerweile verdammt heiß und wir wollen vorwärtskommen.
Wie schon öfter an diesem Tag steigt das Navi aus, ich weiß nicht warum.
Ab und zu steigt googlemaps aus, Schlaufon zu heiß?
Ich stecke es nur bei kühlem Wetter an und habe im Kartenfach des TR was obendrauf liegen, um direkte Sonnen auf das Gerät zu vermeiden.
GPS zu lange verloren? Im Tunnel ja, in engen Bergtälern auch möglich.
Dann steigt auch ab und zu der Chinesenbildschirm am Mopped aus, dann habe ich zumindest noch die Ansagen im Helm.

Da ich mich nicht auskenne fahre ich an einer Raststätte raus, Café, Wasser, Schatten….
3 km weiter ist unsere Ausfahrt, wir fahren nach Morbegno rein, natürlich ist es wieder sch…heiß.

Apropos heiß… die neue Jacke mit der Airbagweste obendrüber funktioniert echt gut, viele Belüftungsöffnungen, keine Membran drin (die wäre im Innenfutter, das man einziehen kann).
Mit der alten Jacke hätte ich deutlich mehr geschwitzt.

Jetzt kommt das fahrerische Highlight des Tages, der Passo San Marco.
Den hatte ich schon länger mal auf der Liste, war aber noch nie so weit westlich in Italien unterwegs (Durchreise ausgenommen).

ENDLICH GAAAS!
Leere Straße, gute Straße…
Oben ein paar Moppeds, das wars.
17.15
Fabian fährt voraus, ich mache mit ihm aus, daß wir uns am Orteingang San Pellegrino treffen.
Tanken sollten wir auch.

Ich folge der Straße, irgendwann ist San Pellegrino nicht mehr ausgeschrieben, nur noch Bergamo.
Ich fahre raus und kontrolliere, bin aber auf der richtigen Seite von San Pellegrino.
Tunnel, danach rechts weg, ORTSEINGANG! Baustelle mit Ampel, die ich natürlich rot erwische, dann weiter in die Stadt.
Dort kommt mir Fabian entgegen, er fährt nur noch mit Benzindampf, der Tank ist leer.

Auf dem Weg vom Pass nach unten sind wir ja nur an mindestens 3 Tankstellen vorbeigekommen.
Und das sind nur die, die direkten Zugang zur Passstraße haben, also wo man auch tanken kann, so daß einen der Hinterherfahrende noch sieht.
Also zurück, nochmal die rote Baustellenampel, Tunnel, in nächsten Ort dann eine Tankstelle.

Warum er schon im Ort war?
Er hatte das gleiche Problem mit der Beschilderung, in San Giovanni Bianco hat er dann das Schlaufon gefragt, das hat ihn dann über Paccacorna und Alino gelotst.
Mit funktionierendem Resthirnverstärker wäre er die Hauptstraße gefahren.

Vollgemacht, Hotel gesucht.

Vom Navi reinlotsen lassen, das Hotel liegt da, wo wir uns vorhin getroffen haben.
Man sieht es nicht gleich, also die Moppeds 50 m weiter auf den Gehsteig zu einem Haufen anderer Moppeds gestellt, etwas gesucht, hingelaufen….bei > 30°C im Schatten.
Der Hotelier palavert erstmal am Telephon, dann hat er Zeit.
*PFFFFFFT!*
Ich ziehe die Jacke aus, bevor das Überdruckventil kommt.

Eingecheckt, die Tiefgarage ist nach dreimal abbiegen zu finden, es geht eine steile Rampe runter, naß möchte ich das nicht fahren wollen.

Zimmer bezogen, dieses Mal groß und nur im ersten Stock mit Aufzug zu erreichen.
Stadtfein gemacht, an der Hotelbar hängen geblieben für den ersten Durst, dann weiter zur Pizzeria.
Lecker Pizza gegessen, zum Abschluß auf Haus noch je einen Meloncino, auch lecker.
Hotelbar, Bier, Bett…

359 km
Tagesempfehlung: Passo San Marco.
Tagessoll erfüllt, bis hierher war geplant.

Tag 3, Einspurtag

Die übliche Routine, 6.15 Wecker, Dusche, 7 Uhr Frühstück, Morgensch.., dann gegen 8 auf Mopped.
Los gings nach Nordosten, also zum vierten Mal die Baustellenampel, sofort danach aber rechts weg Richtung Dossena.
Schmale Straße, viele Kehren, nix los, GAAS!
Fabian lässt es noch gemütlich angehen, ich fahre vorne.
Forcella da Valpiana, Passo di Zambla, es geht kurvig runter ins Tal, GAAS!
Kein Verkehr bis auf irgendein italienisches großes Mopped das wir recht flott haben.

Jetzt kommt das, was ich an Italien so liebe, die Durchfahrt von heißen, überfüllten Tälern mit Ortschaften und zig Kreuzungen etc.
Fabian kann evtl. vorhandene italienische Gene deutlich besser exprimieren als ich und übernimmt die Führung, am Kolonnen vorbei, an der Ampel nach vorne, über den Gehsteig…

Von Passo della Presolana merken wir nicht viel bis es bergab geht, zum Glück hat sich meiste Verkehr schon aufgelöst; Im unteren Teil dann ein Knorz auf einem Roller, der ist schneller gefahren als 80% der GSen die wir gesehen haben…

Im Schilpario, am Fuße den Passo Vivione machen wir Pause, Café, Wasser…
Hinter Schilpario wird die Straße dann auch endlich enger, so wie ich sie in Erinnerung habe, einspurig, wenig gerade aus, zum Glück wenig Verkehr, GAS!
Auf dem Weg nach unten laufen wir auf eine Gruppe Italiener auf, 2 GS, eine Afrika Twin (neu).
Fabian schnupft alle recht flott, ich komme nur an der Affentwin vorbei.
Am Fuße des Passes ein paar Regentropfen.

Berzo, SS42 Richtung Süden, Breno.
Aufstieg zum Croce Domini.
Fabian hat Glück, er kommt noch an der Dummtusse in den weißen T-Roc vorbei, ich nicht.
Und weil sie meint, der Rückspiegel wäre nur zum Schminken da macht die auch keine Anstalten mich vorbeizulassen.
Auf dem Weg nach oben räumt sie fast mehrere Radfahrer ab, zum Glück hatten wir keinen Gegenverkehr.
Als die sichtlich überforderte Tusse dann nach links auf einen Parkplatz abbiegen möchte findet sie den Gang nicht, ich benutze zum ersten Mal, seit ich das Mopped habe, die Hupe.
Das wirkt tatsächlich.
Weiter, GAAS!

Fabian wartet an der Hütte kurz vor der Passhöhe, wir kehren ein.
Fabian nimmt einen Brotzeitteller mit Salami, Speck und Käse, ich hausgemachte Nudeln mit Pfifferlingen und Himbeermark, beides lecker.
Café, Wasser sowieso.

Passhöhe.
Lust auf die Tre Valli Höhenstraße habe ich nicht, die ist teilweise nur geschottert, bergab mag ich das nicht so mit diesem Mopped.
Also lins weg Richtung Goletto Cadino und Goletto Gaver.
Schmale Straße, guter Belag, wir sammeln weiter italienische Opfer.
Fabian voraus, ich habe ihm erklärt, wo er hinfahren muß.

Vor Bagolino rechts weg, Giogo del Maniva. Ich schlucke ne GS und irgendeinen fuel to noise generator, GAAAS!, dann steht Fabian kurz hinter der Passhöhe.
Es geht links runter die SP 345 bis Tavernole sul Mella, dann links auf den Passo di Marmentino.
Freie, schmale Straße, viel Wald, schön zu fahren.

In Nozza nochmal Café und Wasser.
Wir sitzen an der Durchgangsstraße Idrosee – Südende Gardasee / Brescia.
Der Verkehr ist massiv, die Lautstärke einiger Zweiräder infernalisch und es wird italienisch überholt und sich durchgezwängt…

Aufgrund des Verkehrs plane ich die Route um, eigentlich hätte ich jetzt nördlich des Idrosees Richtung Gardasee abbiegen wollen, am Ledrosee vorbei, dann Riva tangieren und ab nach Nordwesten.
Wir fahren allerdings jetzt die SS237 Richtung Norden, erst am Idrosee entlang mit viel Verkehr und schöner Aussicht, dann mit weniger Verkehr.
Der Sägezahn nervt.

Überall an der Straße stehen Schilder mit der Aufschrift:
Controllo elettronico della velocità e del sorpasso…
also elektronische Überwachung der Geschwindigkeit und des Überholverbotes… die vor und fahrenden Eingeborenen halten sich sklavisch daran, also wir auch, selbst als vorne der Kolonnenführer anfängt deutlich unter TL zu fahren.

Tione di Trento, Fabian fährt mal wieder mit Benzidampf, außerdem hat ihn eine Biene ins Ohr gestochen, machmal ist es pranktisch mit geschlossenem Visier zu fahren.
Tankstelle.

Ich will nach Spiazzo, dann rechts über den Passo Daone; Im zweiten Kreisverkehr nach der Tanke könnte ich die erste Ausfahrt nehmen, das sieht richtig gut nach Zickzack aus, ich nehme die zweite Ausfahrt, so wie geplant.
Die erste wäre auch der Pass gewesen, nur von der anderen Seite…
Einspurig, durch den Wald, schön langsam reichts von den engen Straßen…

Fabian voraus, ich gemütlicher hinterher.
Runter, wieder einen Teil der Strecke zurück, an der Tanke vorbei, links weg Richtung Borgo Lares, Passo Duron rauf.
Zweispurige, gute Straße, leer, GAAAS!
Das habe ich zum Abschluß des Tages gebraucht.
Oben kurz beim Fahren ein komisches Gefühl…was war das?

Irgendwo in Cavastro hält Fabian an und wartet, er kennt sich nicht mehr aus, wir fahren kurz in die Ortschaft rein.
Die Welt ist hier zu Ende, zumindest meine Planung.
Ich schau auf dem Schlaufon nach einem Quartier, halbwegs erreichbar und bezahlbar gibt es etwas in Tione di Trento…willst Du nochmal über den Pass….wenns sein muß…
Gebucht.
Wir gehen zu den Moppeds zurück, Fabian schaut meinen HR an und meint:

Glück gehabt, der Platten ist nur unten.

Kacke!
Was tun?
Wir stehen fast im Nichts, weitab jeder Tanke oder Werkstatt, es ist Samstag Abend, ein Gewitter zieht auf…
Mit Schritttempo nach Tione rollen?

Wir rollen Richtung Hauptstraße, links ist die Feuerwehr angeschrieben, haben die einen Kompressor? Damit könnte man wenigstens aufpumpen und schauen ob die Luft irgendwo entweicht.

Vor der Feuerwehrzufahrt stehen ein paar Spaziergänger mit Hund, ich frage um Hilfe.
Eine Werkstatt in der Nähe weiß keiner, einer telephoniert rum, kein Ergebnis.
Eine Frau spaziert mit ihrem Hund los und klappert Haustüren ab, ein paar Häuser weiter findet sie jemanden mit Kompressor und lotst uns hin.

DANKE!

Der Kompressor gibt noch 3 bar für den Reifen her, dann ist der Kessel leer, die Pumpe ist ihm gestern kaputt gegangen, Glück gehabt.
Sicht-, Fühl- und Hörkontrolle ergeben keine Stelle, an der der Reifen Luft verliert.

Zurück Richtung Tione, recht langsam mit Blinker rechts.
Was für ein fucking Aufwand wäre es gewesen, an einem modernen Motorrad gleich einen Warnblinkschalter mitzuverbauen?

Am Fuße des Passes tröpfelt es, ab ins Hotel!
Mopped auf den Parkplatz, einchecken, raus, Gepäck holen, Blitz, Donner, es schüttet!
Gerade noch Glück gehabt.
Zimmer ist groß und sauber, hübsch gemacht, runtergegangen, BIER!

Zum Glück sind Ristorante / Pizzeria auch mit beim Hotel und so essen wir.
Wir sitzen zuerst draußen unter einem Zeltdach, man merkt aber, daß das den Wirtsleuten nicht so recht ist, sie müssten durch den Regen zu uns laufen.
Daher gehen wir nach drinnen, als wir ausgesucht haben, was wir essen wollen und nehmen brav die Tischdecke, die leeren Gläser etc. mit rein.

Bei mir gibt’s Rösti mit Salzfleisch und Bohnen, beim Fabian einen großen Salat.
Molto fantastico!
Café corretto…
Der Regen hört auf, wir sehen nach den Moppeds…Luft ist wieder weg.

Wir kommen kurz mit einem anderen Motorradfahrer ins Gespräch, der kommt aus Schleswig-Holstein und macht seit seiner Pensionierung Motorradtouren, aktuell will er noch nach Slovenien und Kroatien, Respekt!

335 km
Tagesempfehlung: Giogo de Maniva
Tagessoll erfüllt, bis ungefähr hierher war geplant.

Tag 4
Die übliche Routine, 6.15 Wecker, Dusche, 7 Uhr Frühstück, Morgensch..,
Sachen zusammengepackt, Kette geschmiert, den Wirt gefragt, ob es irgendwo Luft gibt, oder ob er einen Kompressor hat, er hat nicht.
Aber 1 km die Straße runter gibt es eine Q8 Tankstelle mit Luftautomat, der will 50 cent Stücke sehen, ich wechsle 3 Euro.
Gepäck aufs Mopped, dann im 2. Gang Standgas (naja, der Rollwiederstand ist so groß, daß ich tatsächlich etwas Gas geben muß) zur Tanke, Fabian sichert nach hinten ab.
Automat gefunden, 50 cent rein, 3,5 bar auf den Reifen, mehr gibt er nicht her.

Ich hatte vorher schon gegoogelt, in Trento soll es Motorradzubehörläden geben, die auch am Sonntag offen haben.
Also den Schildern nach, anfangs verhalten, später, als ich gemerkt habe, daß es geht, flotter.
Da die Navigation mal wieder ausgestiegen ist fahre ich nach Nase, Trento Nord raus, dann Richtung Bozen.
Ein Einkaufszentrum an einem großen Kreisverkehr am Ortsausgang, wir stellen uns in den Schatten hinter das Gebäude.

Ich schicke Fabian rein, er soll kalte Cola holen.
Kalt gibt’s die nicht, er hat schon überlegt stattdessen ein kaltes Bier zu bringen, das gäbe es…und ich hätte es auch getrunken ;-)
Der Motorradladen ist 100 m weiter, wir sind daran vorbeigefahren, er sah geschlossen aus, daher bin ich nicht stehengeblieben.
Also hingerollt, google und die Homepage des Ladens behaupten, er wäre Sonntag geöffnet, im Reifen ist noch etwas Restdruck.

Ich habe schon gegoogelt was Schlauchreifen und Dichtmittel für Reifen auf italienisch heißt und bekomme sofort das gewünschte, es steht am Tresen neben der Kasse, braucht man wohl öfter hier.
Einen kleinen Kompressor kaufe ich auch, läuft mit Akku, kann ich beim Fahren am USB Anschluß aufladen; Bei Bedarf hätte er auch einen Kompressor drinnen, den ich benutzen dürfte.
Ich räume den Kompressor in den TR und stecke ihn an.

Dichtmittel, wie geht das?
Der Verkäufer ist sich nicht ganz sicher, wir auch nicht, Restdruck zuerst aus dem Reifen lassen?
Wenn man die Piktogramme auf der Dose richtig gedeutet hätte, dann hätte die Antwort „ja“ gelautet, dort wird zuerst dargestellt, wie der Nagel aus dem Reifen gezogen wird.
Das machen wir nicht, ich habe ja keinen Nagel drin….

Also Ventil nach oben, Dose dran und gib ihm.
Das Zeug strömt in den Reifen, allerdings nicht komplett, da war wohl der Restdruck zu hoch…muß auch so halten.
Zeug eingepackt, ab auf die SS12 Richtung Bozen.
Das Motorrad fährt sich gut, so gut, daß ich in Mezzolombardo rausfahre, dann nach Mezzocorona, von hier aus könnte man zum Molvenosee rauf fahren und dann weiter, warum Zeit auf der Bundesstraße verschwenden?

Nachdem ich die Route nicht komplett im Kopf habe fahren wir nach Mezzocorona rein und bleiben an einer Bar stehen.
Der Reifen fühlt sich noch gut an.
Die Bardame scheint sichtlich genervt von einem Touristen, der nicht perfekt italienisch spricht und schaltet leicht pampig auf englisch um.
Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen tragen ein T-Shirt mit der Aufschrift:
„I’m nor your therapist“, ich bin auch nicht eurer!

Richtung Molvenosee hätte ich gleich auch in oder vor Mezzolombardo abbiegen können, beim nächsten Mal weiß ich es.
Über Castel Belfort geht es rauf zum Molvenosee, Fabian vorne, ich bleibe hinter einem LKW hängen, der Reifen hält vom Gefühl her.

Ausgemacht war, daß wir uns am Ortseingang treffen, da gäbe es auch einen Parkplatz, wenn ich mich richtig erinnere auch mit Blick auf den See; Auf dem Parkplatz standen wir schon öfter…
Wer steht nicht da? Fabian.
Ich fahre in praller Sonne runter zum See, hier geht’s zu wie Seuche, dort irgendwo steht auch Fabian.
Weiter am See entlang, kurzer Photostop, aber kein Schatten, also weiter.

Kurz hinter Dorsino könnte man rechts weg eine kleine Straße über Stenico Richtung Tione fahren, Fabian ist aber schon vorbei.
Er steht an einer scharfen Linkskurve auf einer Kiesfläche im Schatten.

Aus Richtung Molvenosee kommen drei große KTM mit richtig Speed durch die Kurve geschossen, Respekt! Stuttgarter Kennzeichen.

Ich rolle voraus nach Villa Banale, werde für mein Stehenbleiben mit gleich 2 Holländern vor mir bestraft, suche eine Tanke, Fabian hat schon wieder auf Reserve geschaltet, da sich dort nichts findet geht’s weiter nach Ponte Arche.

Tankstelle mit Bar, vollgetankt, Café, Wasser.
Außerdem hat die Tanke Luft, also von 1,8 auf 3,8 bar aufgefüllt, Soll wären übrigens 2,0 bar.

Tione di Trento, nach Norden Spiazzo, das hatten wir gestern schon.
Weiter Richtung Madonna di Campiglio, ich lass es laufen, ich will heute noch rel. weit nach Norden kommen.

Es riecht nach Regen.
Es fängt es an zu tröpfeln…anhalten, Regenzeug?
Nein!
Ein Blick in den Himmel verrät, daß ich unter der schwarzen Wolke raus fahre Richtung blauer Himmel.
Fabian scheißt sich an und kommt nicht nach, entweder, weil er seine Belüftungen zu macht oder wegen wasweißich, auf einmal ist er weg.

Mir egal, er ist alt genug, er weiß, daß wir aufs Gampenjoch wollen.
Ich lasse es laufen, die Tröpfelei erledigt sich von selbst, ich beginne die Kolonne aufzurollen, habe einige freie Stellen, GAAAS!
Der Sägezahn…sagte ich das schon?

Irgendwann wird mir die Sache aber unheimlich, normalerweise fährt der Fabian schneller als ich, er sollte langsam im Rückspiegel auftauchen.
Ich fahre am Ortseingang Campo Carlo Magno rechts ran, da gibt’s Parkbuchten, stelle mich so hin, daß man mich sieht.
Weil es mittlerweile recht kalt geworden ist ziehe ich einen Pulli und den Windbreaker an und warte.

Und warte.

Ich beschließe, noch 5 Autos abzuwarten, dann langsam weiterzufahren, dumm rumhängen kann ich auch in einer Bar am Wegesrand.
Tatsächlich taucht Fabian nach der fünften Dose auf, er labert irgendwas von Regen, Gewitter, Gebirge….mir egal, ich setze mich auf dem Bock und fahre los.

Dimaro, weiterhin viel Verkehr.
Mittlerweile ist es wieder heiß.

In Cis biegt zum Glück der Großteil des Verkehrs Richtung Cles ab, wir fahren weiter Rictung Fondo und erhaschen einen kurzen Blick auf den Lago di Santa Giustina der weiter unten in der Sonne glitzert.

Irgendwo ist nach links oben eine Tankstelle angeschrieben, mit vollem Service, da ich die Luft wieder kontrollieren möchte fahre ich hin, natürlich die üblichen 2 Säulen mit Automat, sonst nix.
Ich ziehe Pulli und Windbreaker wieder aus, Reifen fühlt sich prall an.

Fondo, rauf aufs Gampenjoch, da kann mans laufen lassen, also GAAAS!
Das brauche ich jetzt!
Fabian wartet wie üblich nicht oben, ersteht an der Tanke in Naraun….in der Bar dort habe ich vor ein paar Jahren schonmal Quartier geplant.

Lana, Maran…viel Verkehr, heiß und keine der 17 angefahrenen Tankstellen hat Luft für Reifen, dafür aber, neben den üblichen 2 Staubsaugern, Luft zum Fahrzeug ausblasen.
Was für ein Dreck!

Weiter Richtung Jaufenpass, zwischendurch bleiben wir an einem Imbissstand stehen, mit schattigem Parkplatz, Wasser, Café, eine Kleinigkeit zu essen.
Ich ziehe den frisch erworbenen Kompressor aus dem TR und klemme ihn an den Reifen, das Display zeigt 50,5 psi, für Mitteleuropäer ca. 3,5 bar.
Passt ja.

Fabian fällt ein, daß er tanken muß (wir waren ja gerade erst an 17 Tankstellen), er fährt schonmal los und steht ein paar km weiter an einer Tanke.
Er hat schon getankt und hilft gerade einem Paar aus Holland am Tankautomaten…die Frau hat die Karte in den Ausgabeschlitz für die Quittungen gesteckt, Fabians griffbereite Knipex Cobra hilft.
Nachdem die Karte gerettet ist geht sie nicht mehr, das Mädel mit der Ape vor mir erklärt dann, wie das mit den Scheinen funktioniert, dann endlich bekommen die Leute auch Sprit.
Ich tanke voll und werde vom hinter mir stehenden Urlauber aus Zwickau gefragt wie denn der Automat funktioniere, ich erkläre es.

Eher gemütlich bis St. Leonhard, dann rauf auf den Jaufen.
Wenig Verkehr, Fabian vorne, Straße gut bzw, in den letzten Jahren mal neu gemacht, GAAAS!
Auf dem Weg nach oben laufe ich auf einen Freisinger Transit auf, der es da rauf fliegen lässt, er wird nach einer Linkskehre langsamer um mich vorbei zu lassen, dafür reicht aber meine Leistung nicht, in der nächsten dann das wieder und ich komme vorbei, danke!

Ober angekommen ist es sakrisch kalt, die zwei Radfahrer oben erfrieren fast.
Die sind heute von Imst gestartet und schon übers Timmelsjoch geradelt, Respekt!

Ich buche ein Hotel in Sterzing.
Runter, an einer Baustellenampel wieder der Transit, wir fahren nach vorne.
Auf dem Weg nach unten laufen wir auf ein italienisches Motorrad auf, irgendwas auf Stelzen.
Fabian überholt, ich bleibe dahinter; Mit der Brechstange wäre ich vorbei gekommen, aber dazu ist mir auch die Straße stellenweise zu schlecht, da wo sie noch nicht geflickt ist, ist sie eine Buckelpiste.
Zwischendurch biete ich dem Transit an zu überholen, er hängt an uns dran, er will aber nicht.
Dabei verliere ich den Italiener vor mir aus den Augen.

Fabian wartet unten, ich stelle mich kurz dazu und schon rauschen die beiden Radfahrer von Pass oben vorbei.
Ab ins Hotel.

Theoretisch hat das einen Parkplatz, der ist gerappelt voll, wir quetschen uns in die letzte freie Ecke, zwischen ein paar Dosen, den Zaun und das Getränkelager.
Dafür kostet der Parkplatz dann auch 4 Euro pro Mopped, toll, nicht verhandelbar.

Auf dem Parkplatz stehen auch 4 weitere Motorräder, 2 aus NL, eins aus M, eins aus EBE.
Jedes dieser Moppeds steht auf einen Autoparkplatz, man hätte durchaus auch 2 davon auf einen Parkplatz gebracht.
Asshole parking nennt man das wohl.

Ab aufs Zimmer, sogar ein Balkon, assligerweise ist die Stoffbespannung der Stühle gerissen; Der Abfalleiner im Bad ist auch nicht ausgeleert.
Bewertung ist schon abgegeben.

Stadtfein gemacht, unsere Stammkneipe in Sterzing, die Bar by Kristy, macht um 9 zu, jetzt isses kurz vor 8.
Einen strammen Spaziergang später stehen wir um 20.10 vor der Bar, die heute schon um 18 Uhr geschlossen hat.
Also zurück in die City.

Das erste Restaurant / Pizzeria hat zwar die Speisekarte draußen hängen, aber ohne Preise…da geht man nicht rein.
Gegenüber sehen die Preise normal aus, wir bekommen auch noch problemlos was Warmes zu essen, auch wenn die Küche um 20.30 schließt und es schon 20.20 ist.

Erstmal BIER!
Dann ein leckeres Knödeltrio, Speck-, Spinat und Kaasknödel, auf einem Hauch von Krautsalat, sehr lecker und genau richtig.
Bier!

Ab ins Hotel, das WM Finale läuft.
Ich tue es mir tatsächlich wider besseres Wissen an, wobei ich das Geschehen ab der zweiten Halbzeit nur noch im Halbschlaf verfolge.
Ich hätte besser geschlafen.

302 km
Tagesempfehlung: Gampenjoch
Tagessoll erfüllt, bis ungefähr hierher war geplant.

Tag 5

Die übliche Morgenroutine, kurz nach 8 geht’s los.
Der Reifen hat 40,5 psi, also ca. 2,8 bar, schön, dann kann man ja noch was fahren…

Jaufenpass, fast kein Verkehr, wir laufen auf eine Dreiergruppe aus RV auf die ganz anständig fahren, wir hängen uns zum Aufwärmen hintendran.
Baustelle, Ampel, eine nicht zugeschüttete Rinne über die Straße, mit Schwung drüber, Motor aus.
Stehenbleiben hätte ich eh müssen, vor uns fährt eine Baumaschine raus.

Der Seitenständerschalter hatte zugeschlagen, der hat schon die letzten Tage genervt und nicht immer registriert, wenn der Ständer hochgeklappt war, dieses Mal hat wohl der Ruck der Rinne ausgereicht, um den Schalter auszulösen.
Ein Tritt und es geht wieder weiter.

Die drei Moppedfahrer haben sich wohl von der Baustelle den Schneid abkaufen lassen und fahren im Blümchenpflückermodus weiter, wir überholen, schlechter Straßenbelag.
Tatsächlich nervt langsam die wenig schluckfreudige Federung der Svartpilen, die SV kann das um Welten besser.

Runter ins Tal, dann ab aufs Timmelsjoch.
Wenig Verkehr, wo es geht lass ich es laufen, wobei die Tempolimits, wie üblich in Italien, nicht immer klar sind. Dafür wäre ein funktionierendes Navi recht brauchbar, aber das ist mal wieder ausgestiegen.
Im oberen Teil dann Tempo 70 und das Schild mit der elektronischen Überwachung.
An solchen Stellen haben nur 44 Pferde auch Vorteile, man kommt wenig in die Verlegenheit zu schnell zu fahren.
Ich habe mal gehört, daß man da stellenweise mit einer 900er GPz auch doppelt so schnell fahren kann…

Photostop zwischendrin.

Oben Photostop, die Tunnels sind tatsächlich eisfrei, das kenne ich auch anders.
Schneewände gibt’s auch keine.
Die Dreiergruppe vom Jaufen fährt vorbei.

Österreich, Mautstelle, mittlerweile kostet der Spaß schon 18 Euro :-/
Vor mir laufen Schafe auf die Fahrbahn, dabei waren gar keine Mäharbeiten angesagt.

Runter durchs Ötztal, aufpassen, hier stehen Blitzomaten.
Vollgetankt, Kaffee…ein großer ist hier kein café doppio sondern ein großer Becher, heiß ist er auch und so sitzen wir eine Weile im Schatten des Staubsaugeautomaten.
48,5 psi.

Weiter Richtung Talausgang, irgendwo eine Bushaltestelle, Tempo 60, da steht der Blitzomat!
Ich bremse, schau die Gegend an und fahre mit über 60 am Blitzomaten vorbei vor lauter blöd, mal sehen, ob ein Erinnerungsphoto kommt.

Zwischendrin heftige Baustelle mit sicher 2 km Stau, ich sehe Fabian recht weit vorne und schlängle mich an der Kolonne vorbei.
Beim Weiterfahren überholt mich ein Mopped aus Ulm.

Weiter, Kolonne, beim Überholen schlägt der Seitenständerschalter wieder zu, peinlich.
Weiter unten nochmal, vor einer Linkskehre.
*GRRRR*

In Ötz im Kreisverkehr dann den Abzweig aufs Kühtai gefunden und rauf, im oberen Teil vorsichtig GAS, da stehen Kühe auf der Fahrbahn.

Fabian wartet oben, er hätte mich wegen dem Stau nicht so früh erwartet (was denkt der von mir?) und hat demzufolge nur einen Kaffee geholt, Ratte!

Ich erkläre ihm wie es weitergeht.
Also einfach den Weg zurück, den wir am ersten Tag gekommen sind.
Runter ins Tal, unter der Autobahn durch, über den Inn, den Zirler Berg rauf, Beschilderung Seefeld, Mittenwald, Deutschland folgen.

Dann weiter bis Wallgau, dann rechts zur Mautstraße, Treffpunkt das Kassenhäuschen, dort ist es schattig im Wald.

Er düst los, ich hinterher.
Runter zu fahre ich stellenweise hinter einem Radfahrer, der lässt es da mit bis zu 75 km/h laufen.
Ich hätte Angst, vor allem über die Weideroste.
Irgendwann vorbei, GAAS!

Kurz vor der Grenze Kolonne, Gegenverkehr, man sieht nichts.
Von hinten kommt so eine Schwanzverlängerungsflunder und überholt, ohne etwas zu sehen, ich muß nach rechts an den Straßenrand ausweichen.

A….loch!

Ich teile meinen Unmut per Winken mit, der Depp merkt das sicher nicht mal.
MUC-TG 601, weiß.

Im folgenden Tunnel lässt er die Dreckskarre min 2 Gänge zu niedrig laufen, einfach nur laut und peinlich.

Er überholt nochmal, dann kann auch er auf der weiteren Strecke nicht mehr überholen.
Wallgau, ich biege Richtung Mautstraße ab, wer steht nicht am Kassenhäuschen? Fabian.

Mir egal ich löhne 6 Euro und fahre los, bleibe zwischendurch für ein Photo stehen und fahre bis Vorderriss, da ist er auch nicht, auch nicht auf einem der zahlreichen Parkplätze an der Mautstraße.
Also weiter Richtung Tölz, stellenweise hinter einem LKW der glücklicherweise das Tempo 50 Schild als 70 ließt.
Zwischendurch bleibe ich zum Beine vertreten stehen und mache ein Photo.

Auf den Bänken Richtung Sylvensteinsee sitzen zwei Junge Buschen und reparieren einen Fahrradreifen, ich biete meine Hilfe an, wofür habe ich schließlich den Kompressor gekauft?
Aber die beiden kommen auch so klar und wie ich feststelle habe ich das Zubehör zum Kompressor irgendwo verloren, das wären Adapter und USB Kabel gewesen, einen Adapter hätten wir brauchen können.

Falls der Fabian vor lauter Blödheit die andere Mautstraße am Walchensee genommen hat sollte er bei Lenggries auf mich warten, da isser aber nicht.

Weiter.
Bad Tölz.
Ich hasse es.
Die einzige Uhrzeit, zu der man da durchfahren kann ich vor 6 Uhr morgens.
Verkehrsinfarkt.

Wir hatten ausgemacht, uns hier zu verabschieden.

Vor Tölz könnte ich Richtung Gaißach abbiegen und so den größten Teil des Dauerstaus umgehen, ich tue es aber nicht, der Fabian weiß das ja nicht.

Also fahre ich rein und bei der ersten Tanke raus, kein Schatten, also weiter, beim Rausfahren muß ich die eben aufgerollte Kolonne samt LKWs wieder passieren lassen.
Ich biege Richtung Wolfratshausen ab, das ist die Richtung, die er heim Richtung München nehmen wollte.
Tankstelle, Espresso, Orangina.

Ich schicke ein Photo, teile meinen Standort, beschreibe ihn, versuche anzurufen,,,nix.
Hoffentlich ist nix passiert.
Zwischenzeitlich hat er ein Bild gepostet, vom Eingang der Mautstraße.
Uhrzeit 13.35
Ich komme auf die Idee nachzusehen, wann ich mein Bild in der Mautstraße gemacht habe, 13.23.
Warum zum Teufel ist er jetzt hinter mir?

Ich schreibe ihm, daß ich weiterfahre, nachdem nicht klar ist wann er kommt.
Google lotst mich an sämtlichen Umleitungen vorbei nach Ro, dort tanke ich, Fabian hat auch mittlerweile zurück geschrieben daß es ihm gut geht und daß er heimfährt.

Attila reagiert nicht auf meine Whatsapp und so bringe ich seinen abgebrochenen Fußraster, den ich seit dem Unfall spazieren fahre, nach Hause.
16.45 daheim.

357 km
Tagesempfehlung: Timmelsjoch
Tagessoll erfüllt.

Gesamt 1812 km, hat Spaß gemacht, leider nur zu zweit anstatt wie geplant zu viert und losgefahren zu dritt.
Den Ausflug zum Comer See hätte es nicht gebraucht, oder zumindest nicht die dort gefahrene Runde, dafür haben wir andere schöne Strecken liegen lassen, beim nächsten Mal wird das anders.
Mit den kleinen Motorrädern (DR 350, ca. 30 PS, Svartpilen 401, 44 PS) muß man sich vor niemandem auf diesen Strecken verstecken, ganz im Gegenteil, wir haben deutlich mehr große Motorräder hergebrannt als umgekehrt.
Die wenig schluckfreudige Federung der Pille nervt, ich habe schon sämtliche Versteller aufgedreht (richtigrum!) und merke wenig Unterschied.
Die DR bügelt über Vieles einfach drüber.
Wird Zeit, daß ich die XT für so etwas herrichte.

Der Sägezahn am VR nervt auch.
Der Reifen hats hinter sich, nach 8,1 Mm, der hintere Teil der Stollen (oben) hat noch viel Gummi, der vordere wenig, außerdem ist der Reifen auf der rechten Flanke deutlich stärker abgefahren als auf der linken, sieht man schön an der Mittelrille.
Der HR sieht nach insgesamt 2,8 Mm recht gut aus, schön rund, am nächsten Tag in der Garage hat er noch 3,25 bar.

Ich hatte ja früher mal geschrieben, daß ich die Schweiz nur noch mit Herztabletten fahren würde, das war allerdings mit der SV, mit der macht dauerhaft nur 80 keinen Spaß.
In der Schweiz weiß man immer wie schnell man fahren darf, die Beschilderung ist klar und deutlich, in Italien weiß man das oft nicht.

Ciao, Jockel
Bilder folgen.
XT 250, Bj. 1984
SV 650 S, Bj. 2001
Svartpilen 401, Bj. 2023

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