#25
Beitrag
von Elwood » 15.10.2004 23:55
"Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!"
Dies ist mein erster Beitrag in einem Internetforum überhaupt. Folglich möchte ich mich ungern als Gralshüter von Milde und Gleichmut aufspielen, aber ich denke, daß es auch jemanden geben sollte, der für das junge (Neu)mitglied unserer seeligen SV-Treibergemeinde eine Lanze bricht:
Zuforderst: Auch ich bin mit 18 auf meine damals taufrische SV aufgestiegen. Bei meiner ersten (eben der 1000er) Inspektion gab mir mein Händler mit Blick auf den Angststreifen meines Hinterreifens zufrieden zu verstehen, daß er mir gern die Drosslung wieder rausnehmen könnte.
Ich gestehe, die Versuchung war manchmal groß und doch habe ich brav gewartet. Zu keinem Zeitpunkt hätte der Mögliche Spaßgewinn in irgendeinem Verhältnis zum Risiko gestanden und es sind auch so wirklich zwei gute Motorradjahre geworden, von denen ich keinen Tag bereut habe.
Ergo: Auch mein Rat lautet: Finger weg von der Drossel! Die SV ist wirklich eins der besten 34 PS Motorräder.
Aber: Daß man diesen Gedanken haben kann, ist gewiß kein Sündenfall. Ich hab die SV lange Zeit in der Gegend um Leipzig bewegt und glaubt mir, glatter Asphalt und elend weite Kurvenradien können einen manchmal ganz schön nerven und kaum einer meiner Motorrad fahrenden Freunde hätte sich nicht irgendwann mehr Leistung gewünscht.
Nun kann man sowas durch gelegentliche Ausflüge in den Harz kurieren, den ein oder anderen Supersportler umkurven und wieder ein, zwei Wochen seelig grinsen. Für alle, die aber nicht in der Eiffel oder im Schwarzwald wohnen, sieht der Alltag jedoch leider anders aus.
Hinzu kommt, daß ein großer Teil unserer Motorradfahrergemeinde überwiegend in solchen Leistungsgewichtskategorien denkt. Nicht durch Zufall haben wir einen so hohen Prozentsatz an hubraumstarken Maschinen in Deutschland und "Hand aufs Herz" wer anfängt Motorrad zu fahren läßt sich auch leicht von dieser Draufgängerattitüde einfangen. Irgendeinen in der Gegend kennt man, der ne GSXR fährt und wer von uns hätte sich nicht zumindest das ein oder andere mal gegrämt, wenn er auf sein "Mopped" oder mit einem "Was, immernoch gedrosselt?" angesprochen wurde.
Das Problem ist also hausgemacht und die Frage nach offener Leistung ist gerade beim Umstieg von einer 125er naheliegend, denn da gehören Gespräche über leistungssteigernde Endtöpfchen und Ähnliches schon in die ersten fünf Minuten nach der Begrüßung unter Gleichgesinnten. So war das zumindest bei uns und irgendwie ist das alles auch unterhaltsam gewesen.
Davon abgesehn würde ich gern vor zu pauschalen Urteilen warnen. Was ist so schlimm daran, zu vermerken, daß man zwei Jahre mit 125 ccm schon Erfahrung gesammelt hat. Wenn im gleichen Moment alle attestieren, daß zwei Jahre mit 34 PS lehrreich sind und der Gesetzgeber die Leichtkraftradjahre auf die Probezeit anrechnet, ist das auch eine Erwähnung wert. In jedem Fall wohl nicht schlechter, als mit 25 ohne jede Erfahrung gänzlich unbegrenzt fahren zu dürfen.
So, nun ist aber gut. Man sehe mir nach, daß ich mich in der Länge nicht besser hab zügeln können.
Kurz und knapp: möchte ich so verbleiben. Warte die zwei Jahre! Es lohnt sich. Mitunter findet man so viel schneller zu einem runden Fahrstil und nach zwei Jahren hast Du dann ein Motorrad, das Dich wieder von neuem überrascht.
In diesem Sinne, viel Spaß bei der Kurvenjagd und eine große Portion Vorfreude für die nächsten zwei Jahre.