Zweiter Bremspunkt...


Allgemeine Gesprächsthemen, Fragen und Antworten.
Kane


#16

Beitrag von Kane » 22.04.2004 15:59

Was ich auch häufig nach nicht so gelungenen Kurven merke: Ich habe mir für die ganze Prozedur vor der Kurve zu wenig Zeit genommen. Wir (Anfänger-)Normalos können eben nicht wie Rossi innerhalb von Sekundenbruchteilen bremsen, runteschalten, runterkippen, Gas anlegen - in welcher Reihenfolge auch immer, am besten noch alles zur gleichen Zeit :roll:

da hilft dann meistens, sich bewusst ein wenig mehr Zeit zu nehmen, um die einzelnen Schritte weniger im Stress auszuführen. Denn alles aufs Mal zu lernen klappt meistens nicht so gut. Wenn die Bestandteile dann rund laufen, kann man anfangen sie wieder näher zusammenzufügen.

und was auch schon gesagt wurde: zuviel überlegen (theorie) schadet beim fahren oft mehr als es nützt. man denkt zuviel, der popometer setzt aus, man ist verkrampft - und weg ist die lockere linie..

gruss
kane

ev ... entuell


#17

Beitrag von ev ... entuell » 22.04.2004 20:52

Kane hat geschrieben:Wir (Anfänger-)Normalos können eben nicht wie Rossi innerhalb von Sekundenbruchteilen bremsen, runteschalten, runterkippen, Gas anlegen - ...und was auch schon gesagt wurde: zuviel überlegen (theorie) schadet beim fahren oft mehr als es nützt
es gab auch in Rossies Dasein ne Zeit als er das (noch) nicht konnte
ein kluger Kopf hat mal gesagt Erfahrung kommt vom Fahren

ÜBEN
ÜBEN
und nochmals ÜBEN
also fahren statt diskutieren [/b]

Stranze


#18

Beitrag von Stranze » 22.04.2004 21:59

Naja ist vielleicht komisch das ich jetzt hier schreibe bei meinen krümmeligen 2500 km schreibe ... das problem scheint irgendwie zu sein, dass du vor der kurve schon zu viel denkst...ich musste eben erstma überlegen wie ich das mache ;-) und ich finde , dass man wenn man fährt auch eigentlich gar keine zeit hat darüber nachzudenken , weil es dann schon zu spät ist...Der Fehler den ich immer am Anfang gemacht habe , war die Kurve nicht als ganzes zu sehen , hab immer recht stur recht nah geguckt. Also am meisten würde wohl bringen jemandem hinterher zu fahren , der gibt der die Linie vor und du kannst dich daran orientieren , solltese dir dann halt nur jemanden suchen der nicht direkt zeigen will wir er durch die kurven brennt und du einfach keine chance hast diese Linie zu fahren... was ich auch ganz wichtig finde ist die Kleidung, wenn ich nur mit ohne kombi-hose rumdüse war ich auch viel beschissener als mit dem kompletten kombi... und fahrsicherheitstrainings sind garantiert nie verkehrt , allein um selbstvertrauen zu kriegen , aber es gibt ja auch genug übungen die man auch selber machen kann um das zu erreichen , auf www.motorradonline.de kann man sich die kompletten Prüfungen mit Anweisungen zum Motorradfahrer des Jahres runterladen... ignoriert mein alter ;-)

Katja-Fan


#19

Beitrag von Katja-Fan » 22.04.2004 22:03

molch hat geschrieben:was meines erachtens auch schon was bringt, schnapp dir nen erfahrenen fahrer, sag ihm er soll ganz gemuetlich vor dir herfahren, du klebst dich an ihn dran.
dann klappt das mit den kurven normalerweise von selbst.
absolut tödliche Idee:

1. kennt auch ein erfahrener Fahrer die Grenzen des Hinterherfahrenden nicht und wenn sich der hintere dann darauf verläßt, das alles was der vordere macht auch funktioniert, ist der Abflug für den hinteren vorprogrammiert

2. schaut der "Lehrling" dann nur auf dem "Lehrer" und bekommt eine völlig untaugliche Blickführung

Kara


#20

Beitrag von Kara » 22.04.2004 22:28

Ihr habt schon recht - ich mach' mir wahrscheinlich viel zu viel Gedanken darüber...

Es ist ja nicht so, daß ich nicht um Kurven rum komme. Wenn ich normal fahre, richte ich es so ein, daß ich die für mich richtige Kurvengeschwindigkeit schon weit vor der Kurve habe, als Alibi mal kurz auf die HRBremse tippe und brav um meine Kurve fahre. So geht's. Aber ich will ja auch mal schnell sein! :twisted: Und nicht schon ein Kilometer vor 'ner Kurve langsam mit der Motorbremse die Geschwindigkeit runterfahren :cry:
Es ist ja auch nicht so, daß ich noch kein SHT gemacht habe: eins vom ADAC, eins mit dem safety-first-team und eins mit Astrid Althoff sowie ein 3-tägiges Streckentraining auf dem Ring vom ADAC.
Und trotzdem wurde ich von einer 125er hergebrannt. *schäm*

Hab' mal über den Ratschlag von KuNi nachgedacht - es stimmt, das Wiederanlegen des Gases verunsichert mich, da ich nie genau weiß, was dann passiert (Geschwindigkeit, Drehzahl, Lastwechsel). Ich werde das mal ein Weilchen üben, auf gerader Strecke bei konst. Geschw. rauf und runter zu schalten.

Das ist übrigens einer der Punkte, die ich u.a. am Mopfahren so toll finde: im Gegensatz zum Auto kann man beim Mop ohne daß es peinlich ist, die eigenen Unzulänglichkeiten mit einer Gemeinschaft diskutieren, man bekommt Tipps und kann sich immer weiterentwickeln.

Tschüß, kara
*nochineinemsehrfrühenentwicklungsstadium*

ev ... entuell


#21

Beitrag von ev ... entuell » 22.04.2004 23:40

Katja-Fan hat geschrieben:
molch hat geschrieben:schnapp dir nen erfahrenen fahrer, sag ihm er soll ganz gemuetlich vor dir herfahren, du klebst dich an ihn dran.
absolut tödliche Idee
als Cross-Streckendebüt bin ich hinter einem A/I-Lizenzler her, der für mich sein O-Ton halt mal rumgerollt ist, wir hatten wohl unterschiedliche Definitionen für 'rollen' und ich die absolute Panik, als der Boden plötzlich weg war
nee, nee blind hinterher nur bei Leuten mit denen ich schon lange unterwegs war und zu deren Fahrweise ich absolutes Vertrauen habe

VauZwei


#22

Beitrag von VauZwei » 23.04.2004 9:54

@Kara

Nicht so ängstlich, so schlimm sind die Lastwechsel doch auch nicht.
Ich denke du fährst das Vergasermodell, oder?
Gegen Lastwechsel kann man die Nadel/Vergaser eine Kerbe höher hängen(Suche benutzen)-->die Kette sollte auch nicht zu locker sein, manche drehen das Standgas etwas höher, Gasgriff sollte auch kein Spiel haben.
Wenn du ein bisschen sensibel mit der Gashand umgehst, passiert da nichts.
Ich denke aber das dein Problem im Kopf liegt, also mach dich locker und üb mal auf einem Parkplatz.Ich wohne in Solingen, wenn du willst können wir mal zusammen üben.

SanDee


#23

Beitrag von SanDee » 23.04.2004 10:02

Hi Kara!

Ich habe gestern nochmal "The Last Samurai" gesehen, da gab es auch einen Tip zum Schwertkampf: "Du denken zuviel!" ;)
Naja, was ich damit sagen will, mach Dir etwas weniger Gedanken, vor allem über Lastwechsel, Bremspunkte und ähnliches.... Außerdem, warum soll ein 125er Fahrer in der Kurve langsamer sein? Das Ding ist viel leichter und hat schmälere Reifen.
Wenn Du magst, können wir uns ja nochmal zum Fahren treffen. Ich kann zwar keine kleine Enduro bieten, aber ich hab kein Problem damit, mich einer langsameren Fahrerin anzupassen....

Schreib doch einfach mal ne mail!

mattis


#24

Beitrag von mattis » 23.04.2004 14:24

Mahlzeit,
Kara hat geschrieben:Und trotzdem wurde ich von einer 125er hergebrannt. *schäm*
Das ist keine Schande. Ist mir vor ein paar Tagen auch passiert.
Auf meiner Hasstrecke. Ich hab gedacht ich steh :-(

Viele dieser "Heissporne" fahren jenseits von gut und böse.
Außerdem ist eine RS125 und Co. ein ziehmlich heißes Eisen.

Das mit dem "zuviel Denken" stimmt schon.
Einfach mal abschalten und sich nur auf die Strecke konzentrieren.

Vielen hilfts auch, sich die Strecke vorzusagen, also soz. ein Selbstgespräch führen ;-)

Sobald man angespannt ist, stimmt was nicht.
Siehe hierzu auch "Perfekt Fahren mit ***" und Spiegler.


mfg
Matthias

Michael


#25

Beitrag von Michael » 26.04.2004 14:41

Kara hat geschrieben:Irgendwo (Code ? Spiegel ?) habe ich von zwei Bremspunkten gelesen: der erste, wo man mit Bremsen beginnt und der zweite, wo man vor der Kurve mit aufhört und "wieder Gas anlegt".
Der Bremsendpunkt kann auch in der Kurve liegen. Das nennen die Angelsachsen dann "Trail braking". Bei Rennen wird das gemacht. Vorteil: Man kann dann schwerer überholt werden. Aber den Rundenzeiten schadet es eher. Beim Trail-Braking wird die Bremskraft immer geringer je weiter man in die Kurve fährt. Am Anfang bremst man stark, bei hoher Schräglage nur noch schwach.

Auf der Landstraße bin ich meistens vor der Kurve mit dem Bremsen fertig. Auf der Rennstrecke in den ersten Runden auch oft, später verschiebe ich Bremsanfang und Bremsende immer weiter nach hinten.

Die Kurveneingangsgeschwindigkeit früh festlegen (= frühe Bremspunkte) ist Bestandteil von "The Pace" von Ienatsch. Bei Code läuft es unter "Discharging". Es ist eine nützliche Technik, um die richtige Kurveneingangsgeschwindigkeit besser schätzen zu können. Mir hat diese Technik auf der Rennstrecke sehr geholfen. Daduch wurde ich viel schneller. Später die Bremspunkte nach hinten zu verschieben fand ich dann auf der Rennstrecke leicht. Auf der Landstraße mache ich es aus Sicherheitsgründen nicht.
KuNiRider hat geschrieben:meinen normalen Kurvenstil, will ich dir lieber nicht empfehlen, denn ich lenke auf der Bremse ein und habe dabei das Gas schon anliegen...
Echt?? Oder meinst Du, dass Du beim Runterschalten während des Bremsens die Drehzahl anpasst?
KuNiRider hat geschrieben:Einfach immer wieder mal beim Geradeausfahren 1-2Gänge runterschalten und versuchen, genau soviel Gas zu geben, dass du rollst ohne zu bremsen oder zu beschleunigen.
Das halte ich auch für eine gute Übung für die Drehzahlanpassung. Besonders für Einsteiger halte ich das frühe Festlegen der Kurveneingangsgeschwindigkeit aber für mindestens genau so nützlich. Profi-Rennfahrer verwenden auf einer unbekannten Rennstrecke am Anfang auch frühe Bremspunkte. Erst spät werden die Bremspunkte nach hinten verschoben.

Was man nicht machen sollte, ist, vor dem Einlenken schon viel Gas zu geben. Dadurch wird das Einlenken nämlich schwerer (Chopper-Effekt, weil die Gabel aus der Federung kommt). Mit ein bisschen Bremse einlenken erleichtert das Einlenken bei einigen Reifen dagegen (z. B. Metzeler Rennsport). Denn dadurch kommt das Motorrad ja vorne weiter runter.

Ich fahre auf der Landstraße oft mit angelegtem Gas in die Kurve. Also gerade soviel Gas, dass beim weiteren Aufdrehen der Lastwechsel gering ist. Aber nicht soviel, dass das Motorrad schon beschleunigt. Möglichst früh nach dem Einlenken drehe ich dann langsam und sanft das Gas auf (Throttle Rule #1 bei Code). Durch das Gasgeben fährt das Motorrad stabiler durch die Kurve. Was ich immer mache, ist, Gas anlegen bevor ich aufdrehe. Besonders in Schräglage halte ich das schon für wichtig. Sonst irritiert der Lastwechsel und stört die Linie.
Zuletzt geändert von Michael am 28.04.2004 10:14, insgesamt 5-mal geändert.

Michael


#26

Beitrag von Michael » 26.04.2004 17:06

Achso, da fällt mir noch was ein.
Kara hat geschrieben:Hat jemand Tipps, wie ich die "Angst" vor dem Gasanlegen vor der Kurve weg bekomme?
Vor ein paar Jahren dachte ich auch: Sind die bekloppt? Mit Gas durch oder gar in die Kurve fahren!? Ich bin froh, wenn ich da überhaupt heil durch komme, wenn ich schnell angefahren komme. Aber doch nicht auch noch Gas geben!

Was mir geholfen hat, war früh anfangen mit dem Bremsen, also die Kurveneingangsgeschwindigkeit früh festlegen. Das vermeidet Panik und man kann so die passende Geschwindigkeit viel besser schätzen. Bald ging es mir dann so, dass ich immer öfter dachte: "Och, jetzt aber mal langsam aufhören zu bremsen, sonst wird es langweilig in der Kurve." Dann konnte ich auch leicht Gas anlegen.

Man sollte aber nicht vor geschweige denn in einer Kurve mehrmals Bremsen, Gasgeben, Bremsen, Gasgeben. Nur einmal Bremsen ist am Besten. "One-Shot-Action" sagen die Angelsachsen. Wenn man früh genug anfängt zu Bremsen, klappt das auch leicht.

Mit zunehmender Rundenzahl auf einer Rennstrecke oder mit zunehmender Fahrerfahrung auf der Straße klappt auch alles wunderbar, wenn man etwas später bremst. Nur nicht als Neuling Spätbremsen als erstes machen wollen. Das bringt nur Panik und man lernt nix.

Du hast doch das Buch von Code, oder? Lies mal das, was der unter "Discharging" schreibt. Genau das hat mir sehr, sehr geholfen! Achso, hast Du die Übersetzung? :roll: Naja, ich such' mal die Seite raus und nenne sie Dir.

Stranze


#27

Beitrag von Stranze » 26.04.2004 19:22

Also von dem was du schreibst hadde ich gar keine ahnung dass es son buch darüber gibt. Sowas macht man doch instinktiv, jedenfalls ich und die meisten andern auch... und das problem scheint doch das zuviele Denken oder vielleicht die falschen Kurventechnik zu sein...

Und ich denke in beiden Fällen helfen deine Tipps nicht weiter , wenn sie die ganze theorie liest wird sie nur noch mehr denken und mehr überlgen welche reihenfolge , ob der bremspunkt früh genug war etc.

Und wenns an der Kurventechnik liegt , bringt auch der richtige Bremspunkt nichts... du scheinst ja ein erfahrener Fahrer zu sein , wäre es denn nicht besser wenn du / ein anderer erfahrener Fahrer ihr das persönlich zeigt !? Ich bleibe dabei dat dat mit dem vorfahren am meisten bringt , da sieh dadurch doch sehen könnte wie es meinetwegen mit 60 geht!?

Kara


#28

Beitrag von Kara » 27.04.2004 22:39

SV Michel, mein englisch ist sehr - ja wie soll ich sagen - rudimentär :oops:
Kannst Du mir sagen, wie das deutsche Kapitel heißt, ich würde es gern nachlesen.

Stranze, wahrscheinlich bin ich etwas zu viel Theoretiker - aber trotzdem finde ich es enorm hilfreich, die Theorie zu können.

Viele schmerzhafte Er"fahr"ungen lassen sich doch mit Theorie vermeiden. Sicher kann man auch ohne Code&Spiegel Mop fahren.
Nur tu' ich mich z.B. leichter etwas auszuprobieren, wenn mich vorher die Theorie überzeugt hat.

Tschüß, kara

Michael


#29

Beitrag von Michael » 28.04.2004 10:09

Ich möchte es heute Abend raussuchen und Dir morgen schreiben (habe zur Zeit nur bei der Arbeit einen Monitor).

In meinem vorletzten Beitrag oben habe ich gerade noch was korrigiert. Das Rote, da stand vorher "aus". :oops:

Michael


#30

Beitrag von Michael » 30.04.2004 20:52

Es handelt sich um folgenden Stellen:

Teil 1, Kapitel 8 (Braking - The Art of Regulating Speed)

Darin hauptsächlich die Abschnitte:
- One Second Faster
- Significant Improvement
- Another Twist to Braking
(- Front Brake + Throttle) <- darin geht's um Runterschalten beim Bremsen, Drehzahlanpassung


Teil 2, Kapitel 6 (Throttle Control - The Force)

Darin hauptsächlich folgende Abschnitte, welche im Endeffekt Weiterführungen/Präzisierungen obiger Abschnitte sind:
- A Little Too Much Force
- Charging
- Discharging <- darin steht eine Übung

In dem Zusammenhang ist auch wichtig:
Teil 2, Kapitel 2: Throttle Control - Rule Number One

Ich weiß nicht, wie die Abschnitte in der deutschen Übersetzung heißen, ich habe ausschließlich das Original.

Mich würde mal interessieren, wie "Discharging" übersetzt wurde. Das Wort hat viele Bedeutungen. Hier ist es meines Erachtens bildlich im Sinne von "Verringerung der elektr. Ladung", "Entladung" gemeint. Das heißt: Man fährt nicht unter Hochspannung durch spätes Bremsen in die Kurve. Sondern man bremst ziemlich früh und kann dann in Ruhe besser die passende Geschwindigkeit schätzen.

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