erstmal um das Interesse der Leserschaft zu wecken, der Unfallhergang
Gestern abend:
Bestes Wetter 25 Grad und 1A-Tourdefrance Asphalt im Schwarzwald. Dank WM fast 0 Verkehr. Ich freu mich über die geradezu unglaublich klebenden Pilot Power und fahre in Kurve xyz auf meiner Hausstrecke. Das ist eine top einsehbare Bilderbuchkurve mit vielleicht 120° oder 150°, keine Leitplanke, kein Bitumen und nichts. Ich kenne die Strecke in- und auswendig.
Nur diesmal merke ich schon beim Einlenken: Ups, bin zu schnell, wird eng.
Spät einlenken, gesamte Kurve weit außen fahren, maximaler Radius um die Sache noch zu retten... trotzdem, schon vor dem Scheitelpunkt schleift die linke Raste ziemlich obwohl ich schon neben der Maschine hänge. Die Raste ist schon recht kurz und das Heck ziemlich hochgedreht (GSX-R Bein) - eine so lange schleifende Raste ist bei der Maschine ganz klar grenzwertig, und tatsächlich:
Ca. im SP ändert sich das Geräusch -> der Hauptarm vom Seitenständer, Ende der schräglagenmäßigen Fahnenstange, nur bin ich ja schon fast ganz außen, keine Reserven mehr. Auf den nächsten paar Metern wird das Hinterrad hochgehebelt und schmiert ab. Ich falle nicht tief.
Die Maschine rutscht -in einem einigermaßen harmlosen Winkel- gegen den Bordstein, kurz vor Ende der Kurve, und bleibt drauf liegen. Ich rolle hinterher.
Sowohl SV wie auch mir, sogar dem Leder ist praktisch nichts passiert, bei dem Tempo schon seltsam. Die Maschine kam mit HR, dann VR zuerst auf. Ein 2cm² Lackschaden am Tank, der verbogene Ständer und eine angeschmirgelte HR Achse sind noch das "teuerste" an der Sache... hab die Maschine untersucht, bin wieder aufgestiegen und nach Hause gefahren.
Was mir wirklich zu denken macht, ist der Grund für den Unfall, nämlich dass ich auf "meinen Strecken" einfach zu schnell fahre. Eigentlich war es klar, dass irgendwann wieder ein paar Faktoren zusammenkommen, ich den entscheidenden Fehler mache und irgendeine der vielen denkbaren Grenzen überschreite.
Warum fahr ich dann nicht einfach langsamer?
Ich kann irgendwie nicht. Wenn ich alleine unterwegs bin, auf den perfekten Straßen, mit den Klebereifen... tatsächlich langweile ich mich, wenn ich weiss dass ich viel schneller könnte (oder auch nicht) oder wenn ich z.b. mal eine Weile hinter einem auswärtigen Motorrad hänge.
Ich bin dieses Jahr auch weniger gefahren als je zuvor: Der Reiz lässt nach (und der Sprit wird teurer), ich kompensiere das durch mehr Gas.
Das ist leider keine kurzzeitige Motivationsfrage, die Tendenz ist schon seit 1-2 Jahren da.
Was kann ich dagegen machen?
mir fällt bisher ein:
Das war nicht mein erster Unfall (aber der erste dieser Art) und ich hab den Verdacht, dass ich spätestens nach ein paar Monaten oder nächste Saison zumindest wieder grenzwertig unterwegs wäre. Fragt mich ob ich dann nochmal stürze, die Antwort wäre: ja, irgendwann.
Nachteile: Meine SV wird leider keinen guten Preis erzielen - Alter, Laufleistung, vor allem aber viele Kratzer und ein paar.. nicht so ganz getüvte Teile. Mir ist sie so mehr wert als jedem denkbaren Käufer..
Ich wüßte schon ein paar Motorräder die da Sinn machen würden, aber die sind alle teuer.
war'n Scherz
Nachteile: Das kann ich mir nicht leisten, Rennstreckenfahrerei ist zu teuer, 2 mal im Jahr wäre mir viel zu wenig. Wäre zumindest für Jahre das Ende meiner Motorradfahrerei, das darf nicht sein.
Nachteile: mangelnde Langstreckentauglichkeit, wartungsanfällig. Der alljährliche Alpen-Trip und ähnliches ginge nur noch mit dem Autozug. Und leisten muss man sich so einen Hobel auch erstmal als Student mit Nebenjob.
Das klingt vielleicht angesichts des harmlosen Unfallhergangs alles etwas übertrieben, nur wie gesagt: der Grund für den Crash ist das Problem. Diese Überlegungen nicht neu, das gestern war eher "der Tropfen zuviel". Ich muss ja nicht warten bis wirklich was passiert.
Noch ein paar Rahmenbedingungen: Meine SV ist seit etwas über 4 Jahren bei mir, 35tkm, praktisch nur in den Alpen oder im Schwarzwald gefahren. Den Führerschein hab ich seit dem 18., vor der SV hatte ich ein Jahr oder vll. 10tkm eine CB500, die hab ich geschrottet.
Ja, vielleicht hat das ja jemand wirklich alles durchgelesen und hat einen Tip aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung
Es gibt ja auch ein paar, die nur (noch) Rennstrecke fahren.
Ansonsten hab ich mir den Kram zumindest vom Leib geschrieben und vielleicht den einen oder anderen "zügigen" Straßenfahrer kurz zum nachdenken angeregt. Kann mir gut vorstellen, dass es hier einigen (jüngeren) Kandidaten so ähnlich geht.
Gruß und Dank an den Rastatter SuMo Fahrer der mir geholfen hat.