Ich werde mal versuchen, ein paar Dinge auf den Punkt zu bringen - aber objektiv wird das mit Sicherheit auch nicht sein!
Hab eine SV650S K4 gut zwei Jahre über ca. 13.000km bewegt, meine Kilo-SV K7 habe ich jetzt seit einem guten Jahr und bin mit ihr bisher 18.000km gefahren.
Handling:
Eindeutiger Vorteil für die Kleine, die sich aufgrund des niedrigeren Gewichts und des etwas harmonischeren Fahrwerks leichtfüßiger bewegen lässt. Gerade Wechselkurven gehen mit ihr leichter von der Hand.
Fahrwerk:
Hier - wie schon oben erwähnt - auch leichte Vorteile für die 650er. Mir schien das Fahrwerk der Kleinen im Serientrimm etwas besser abgestimmt zu sein auf das Motorrad. Ich hatte nicht das Gefühl, die Serienfederteile austauschen zu müssen, um maximalen Fahrspaß zu haben. Bin allerdings auch kein Sportfahrer, der die Reifen bei jeder Ausfahrt bis an die Kanten fährt und mit möglichst viel Dampf aus jeder Ecke rausbeschleunigt. Ich fand zwar die Gabel auch etwas zu weich und das Federbein etwas zu hart - aber bei der Kilo-SV sind mir diese Schwächen viel deutlicher aufgefallen.
Die Gabel der Großen ist, meiner Meinung nach, viel zu weich und kommt schon bei mäßig sportlicher Fahrweise (besonders Im Zwei-Personen-Betrieb) an ihre Grenzen. Das Serienfederbein fand ich ziemlich gefühllos, besonders auf schlechteren Straßen, und war nur mäßig komfortabel. Ich bin allerdings ein Jahr damit überall unterwegs gewesen und hatte meine Freude am Fahren! Alles in allem kann man damit also auch 'ne Menge Spaß haben, und es ist kein Muss, dort unbedingt nachzuarbeiten. Im Gegensatz zur Kleinen war es aber unharmonischer.
Die Umrüstung auf Wirth-Gabelfedern und ein Wilbers-Federbein konnten allerdings nahezu Wunder bewirken. Mit einem Gixxerbein kann man in diesem Bereich aber auch für relativ wenig Geld eine Menge erreichen.
Bremsen:
Dort konnte ich keine nennswerten Unterschiede ausmachen. Beide bieten eine recht gute Verzögerung bei mäßigen Handkräften. Vielleicht gibt es dazu aber abweichende Meinungen... Habe die Bremsen zum Glück nie bis ans Limit ausreizen müssen.
Motor:
Die große Stunde der Dicken! Der 650er Motor ist aus meiner Sicht schon ein echtes Sahnestück - vorausgesetzt, man kann dem V2-Prinzip etwas abgewinnen. Sauber Durchzug auch aus niedrigen Drehzahlen, sattes Drehmoment in der Mitte, nach oben raus weiter steigende Leistung. Dazu ein geiler Sound, der die Ohren verwöhnt.
Aber die Dicke kann das alles noch 'ne ganze Ecke besser. Noch souveräner im Durchzug, noch lässigeres Überholen, noch schaltfaulere Fahrweise bei konstant hohem Druck möglich. Überholt wird einfach in dem Gang, in dem man gerade fährt (ist bei mir sowieso meist der 6.). Jeder Gasgriff wird mit kräftigem Vortrieb quittiert, bei (fast) jeder Drehzahl. Bei den Modellen K3/K4 gibt es wohl immer mal wieder Probleme mit Konstantfahrruckeln - die neueren Modelle (jedenfalls meine...) haben das nicht mehr. Lässt sich mit korrekter Einstellung aber auch beheben.
Verbrauch:
Bei der 650er lag mein Verbrauch bei ziemlich genau 5l/100km bei meist touristischer Fahrweise im unteren und mittleren Drehzahlbereich. Bei der Dicken liegt mein Verbrauch bis jetzt bei knapp 5,6l/100km, inklusive zweier ausgiebiger Alpentouren, bei denen schon mal ein bisschen heftiger angegast wurde.
Kosten/Versicherung:
Über den Kaufpreis brauchen wir hier wohl nicht reden...
Versicherung kann man ja aufgrund der ganzen Regionalunterschiede auch nur schlecht errechnen. Für die 650er hatte ich 'ne Vollkasko (war finanziert). Diese hat mich ca. 180,00 Euro im halben Jahr gekostet. Die Unterlagen habe ich leider nicht mehr - deshalb kann ich den VK-Anteil nicht rausrechnen...aber das werden dann andere wissen. Die Dicke kostet mich zur Zeit (inklusive aller zusätzlich verbauten Teile und Arbeiten, die ich zusätzlich versichert habe) 225,00 Euro im Halbjahr.
Die Benzinkosten werden ca. 20% über denen des 650er-Modells liegen. Die Reifen sind auch minimal teurer, fallen aber aus meiner Sicht - genauso wie die annähernd identischen Werkstattkosten - nicht ins Gewicht.
Alltag:
Hier gibt's aus meiner Sicht ein faires Unentschieden. Ich kann bei beiden Bikes einfach nichts finden, was sie im Alltag einschränkt. Ja klar, ein Hauptständer wäre für viele noch ein Leckerli, einen Riemenantrieb fände ich auch besser als diese nervigen Ketten. Aber insgesamt sind die SV-Modelle Bikes, die du einfach nur betankst - und die ansonsten einfach nur fahren und fahren und fahren...
Fazit? Hmmm...

...
Aus Vernunftsgründen würde ich zur Kleinen tendieren. Sie ist aus meiner Sicht die etwas harmonischere Variante der beiden Modelle. Mein Herz aber sagte Kilo-SV - und ich habe es bisher nicht eine Sekunde bereut. Mein Traummoped!!! So weit zu Thema "Objektivität"...
Ääääh, doch 'n bisschen viel geworden...
